Siegfried Unseld: Reiseberichte

Wolfgang Krisai: Blick über den East River nach Manhattan. Tuschestift, Buntstift, 2017.

Aus an die 1500 Reiseberichten des goßen Verlegers Siegfried Unseld hat Lektor und Herausgeber Raimund Fellinger 35 ausgewählt und in einem großformatigen Bibliothek-Suhrkamp-Band vereint. Sie umfassen die Jahre 1959 bis 1998. Unseld starb 2002.

Blick hinter die Kulissen des Verlagsgeschäfts

Für mich, der diese Zeit zumindest zum Teil bewusst miterlebt hat und schon als Jugendlicher vor allem die Produktion des Suhrkamp-Verlags mit größtem Interesse, wenn auch nicht größter Kaufkraft, mitverfolgt hat, ist das eine äußerst interessante Lektüre, da man ein wenig hinter die Kulissen des Verlagsgeschäfts und über die Schulter gut bekannter Autor*innen schauen kann.

Chaville oder Ohlsdorf

Manchmal gelten die Reisen dem Besuch einzelner Autoren, so etwa Peter Handke oder Thomas Bernhard in ihren Dichter-Refugien in Chaville bzw. Ohlsdorf. Manchmal geht es ins westliche, manchmal ins östliche Ausland. Damals war ja großteils noch die DDR existent, wohin Unseld seine Fühler ausgestreckt hatte. 

Staatsbesuch in Russland

Interessant auch der offizielle Staatsbesuch in Russland als Mitglied der Delegation, die den deutschen Bundespräsidenten zu Präsident Jelzin begleitete. Unseld spielt dort nur eine Nebenrolle, sollte aber ad hoc die Finanzierung von Buchvorhaben zusagen.

Frisch beleidigt

In Paris oder New York trifft Unseld alle Arten von Leuten, die im Buchwesen eine Rolle spielen: Autor*innen bzw. deren Erb*innen, Verlagsmenschen und Buchhändler*innen. Es geht darum, Verträge auszuhandeln, Kontakte zu knüpfen oder zu erneuern, Verlegenheiten auszuräumen (z. B. wenn ein Autor seit Jahren auf eine Antwort des Verlags wartet) oder einfach etwas zu feiern. Zum Beispiel Max Frischs runden Geburtstag: Frisch lebte damals in New York, war während all der vom Verlag ausgerichteten Feierlichkeiten verstimmt und machte hinterher im privaten Rahmen seinem Ärger über Unseld Luft: Dieser habe ihn nicht genügend gewürdigt, ja, habe sogar Lügen verbreitet, die Geschenke seien mickrig gewesen (was sie nicht waren), usw. Manchmal brauchte Unseld schon eine sehr dicke Haut. Aber er steht eisern zu seinen Autor*innen, denn allein diese brächten die Werke hervor, von denen nicht nur sie selbst, sondern die gesamte Buch-Maschinerie mit ihren zahllosen Angestellten lebe.

Mit seinen 378 Seiten liegt der Band angenehm in der Hand, die 35 Reisen bieten einen guten Einblick in die Reisetätigkeit Unselds und machen Lust auf die Verlagschronik Siegfried Unselds, deren Band 1 über das Jahr 1970 bereits bei mir im Regal wartet.

Unseld, Siegfried: Reiseberichte. Bibliothek Suhrkamp 1451. Berlin, Suhrkamp, 2020. 378 Seiten. Bibliothek Suhrkamp 1451.

Bild: Wolfgang Krisai: Blick über den East River nach Manhattan. Tuschestift, Buntstift, 2017.

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Wissenschaft und Technik. Die illustrierte Weltgeschichte

Bild: Wolfgang Krisai: Wetterstation Hinterbrühl. 2014. Tuschestift, Bunstifte.

Die Geschichte der Wissenschaft und Technik ist faszinierend. In der Schule lernte ich einiges davon, aber seither hat sich viel getan, daher ist es kein Fehler, sein Wissen gelegentlich aufzufrischen und zu erweitern. Das habe ich jetzt über mehrer Monate mit der Lektüre des großformatigen Bildbandes „Wissenschaft & Technik. Die illustrierte Weltgeschichte“ aus dem Dorling-Kindersley-Verlag getan. 

Gut bebilderte Wissenschafts- und Technikgeschichte

Die DK-Bücher sind heute nicht mehr nur maßgeblich in der Kinder- und Jugendliteratur, sondern inzwischen auch bei Erwachsenen sehr beliebt, die von Kindheit an diese Form der Aufbereitung von Informationen gewohnt waren. Ich gehöre allerdings nicht zu diesem Typus, könnte also gerne weniger in Häppchen zerstückelte Texte lesen. Das DK-Informationsdesign zwingt den Leser nämlich ständig zu Suche, wo der Text weitergeht, und zu Entscheidungen, welches Zusatz-Kasterl oder welche ergänzende Biographie u. Ä. er als nächstes lesen will. Das braucht Zeit, wenn auch pro Entscheidung nur sehr wenig. Insgesamt macht es die Lektüre aber für mich mühsamer. Andererseits gibt es auf dem Markt keine ähnlich gut bebilderte Wissenschafts- und Technikgeschichte für den Laien, also habe ich mich für dieses Buch entschieden.

Mein Wissen erweitert

Ich kann hier nicht im Einzelnen aufzählen, was mir die Lektüre dieses Wälzers gebracht hat. Jedenfalls aber hat er mein Wissen erweitert, und ich hoffe, dass ich vieles davon auch länger im Gedächtnis behalten werden. 

Eines der letzten Kapitel ist jenes über die Entstehung von Epidemien. Das Buch entstand vor Corona, aber was der Welt mit Corona passiert ist, ist für die Wissenschaft ganz offensichtlich keine Überraschung gewesen, nur für die Öffentlichkeit, die dem Erkenntnisstand der Wissenschaft weit hinterherhinkt.

Umfangreiche Basisinformationen im Anhang

Das Buch bietet nach dem geschichtlichen Teil, der bis Seite 419 reicht, einen umfangreichen Anhang mit einer Übersicht über wissenschaftliche Basics, die man kennen sollte: Maßeinheiten, Grundinformationen zu allen möglichen Naturwissenschaften von der Astronomie bis zur Mathematik, und ganz am Schluss gibt es noch Kurzbiographien all jener Wissenschaftler, die im Buch zwar erwähnt, aber nicht durch eine Biographie im Hauptteil gewürdigt wurden.

Eigentlich ist es fast schade, dass ich das Buch jetzt wieder ins Regal stellen muss. Man sollte es als „Coffee-Table-Book“ herumliegen haben und dann und wann einen Blick hinein werfen…

Wissenschaft & Technik. Die illustrierte Weltgeschichte. Hg. v. Adam Hart-Davis. Dorling Kindersley / Penguin Random House, Aktualisierte deutsche Ausgabe, 2018. 512 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Wetterstation Hinterbrühl. 2014. Tuschestift, Bunstifte.

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Melissa Faliveno: Tomboyland

Wolfgang Krisai: "Ex libris". Porträt von Melissa Faliveno. Tuschestift, Buntstift. 2017.

Ich kenne wenige Menschen, die Schriftsteller*in sind, persönlich. Melissa Faliveno ist eine von ihnen, und noch dazu eine, die ich unter außergewöhnlichen Umständen, nämlich durch zwei zufällige Begegnungen auf der Fähre am East River zwischen Brooklyn und Manhattan, kennengelernt habe. 

Klar, wenn Melissa ein Buch schreibt, muss ich es kaufen und lesen. Im Sommer 2020 war es so weit: Ihr erstes Buch, der Essayband „Tomboyland“, erschien, ich kaufte ihn und las ihn bis im Spätsommer fertig.

Das Buch ist eine sehr interessante Essaysammlung, deren Titel eigentlich perfekt andeutet, worum es gehen wird. Tomboy nennt man eine Person, die zwischen Frau und Mann changiert. Melissa ist so ein Mensch, wie im Essay „Tomboy“ ausführlich dargestellt wird. Und -land? Gemeint ist das Land, aus dem Melissa stammt: Wisconsin. Das „home“ dieses Tomboys. Für meine Ohren klingt es überraschend, wie eine so durch und durch „moderne“ Frau geradezu romantisch und sehnsüchtig von ihrer Heimat spricht, einer Gegend im konservativen, agrarischen Mittleren Westen, in der es für Persönlichkeiten wie sie realistisch gesehen gar keinen Platz gibt und von der sie, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren in Brooklyn lebt, innerlich nicht loskommt und loskommen will. Immer noch denkt sie, wenn sie ihr „home“ meint, an Wisconsin und den kleinen Ort, aus dem sie stammt. 

Die Essays kreisen also einerseits um sie, vor allem um ihre Gender-Identität und die mit deren Unsicherheit verbundenen Schwierigkeiten, andererseits um ihr „homeland“.

Die Folgen eines verheerenden Tornados

Der erste Essay erzählt von einer Naturkatastrophe, die den Nachbarort Barnveld im Jahr 1984 heimgesucht hat: Ein Tornado zog exakt über den Ort hinweg und verwüstete ihn vollständig. Man erfährt nun, wie die Menschen mit diesem Desaster fertig wurden: Manche hatten Verwandte oder Freunde verloren, die unter den zum Glück wenigen Opfern des Sturms waren; viele mussten ihr Haus wieder aufbauen; manche erzählen von der großen Hilfsbereitschaft, die die Menschen im Ort nach der Katastrophe zusammenschweißte; manche von ihrem Einsatz als Rettungsfahrer oder Krankenschwester; manche von den nicht enden wollenden Spätfolgen des Traumas. Faliveno hat hier offenbar ausführlich recherchiert und mit vielen Zeugen des Unglücks gesprochen.

Die Autorin – ein „Tomboy“

Dann folgt „Tomboy“, ein langer Essay, der einen äußerst interessanten Einblick in das Leben und Fühlen eines Menschen gibt, der zwar offiziell eine Frau ist und gegenwärtig mit einem Mann zusammenlebt, der aber keine klare Geschlechtsidentität hat, sondern zwischen Mann und Frau changiert. Die Anfangsszene des Essays ist geradezu lustig: Melissa trifft sich mit einer neuen Bekannten in einer Bar, wo sich an deren lasziver Kleidung erweist, dass diese das Treffen als ein „Date“ zwischen zwei Lesben verstanden hat. Als Melissa ihr sagt, sie lebe in einer festen Beziehung, und das mit einem Mann, ist die Reaktion: „To say I watched her face fall would be an understatement. It plummeted headlong off a cliff into a swamp of disbelief and despair. ‚No‘, she said […]. She looked at me, shook her head, and said: ‚I can’t believe you’re straight‘.“ (S. 42)

Danach beleuchtet Faliveno viele Aspekte:

Das Mädchen vom Land, das sich wie ein Bub benimmt und dem man das auch nachsieht, solange es noch nicht in der Pubertät ist; die junge Frau in Brooklyn, die von irgendwelchen Passanten angepöbelt wird, weil sie ein wenig wie ein Mann aussieht; Bisexualität und Homosexualität; die Reaktionen von Verwandten, Freunden, aber auch Fremden auf ihr Transgender-Aussehen – und vor allem ihre eigene Unsicherheit angesichts ihrer Gender-Fluidity. 

Die Beziehung zu Motten

In dem kurzen Essay „Of a Moth“ geht es um ungebetene Gäste, die man nicht loswird: die Motten in der Wohnung. Der ganze Essay hat einen lustigen Grundton, denn obzwar die Motten sich mit keiner noch so gefinkelten Methode endgültig ausrotten lassen, sind sie doch kein so widerliches Ungeziefer wie etwa die Küchenschaben. Ja, mit der Zeit gewöhnt man sich an die herumschwirrenden Plagegeistert und bedauert es geradezu, wenn sich wieder einmal eine von ihnen in seltsamer Hypnose der abends im Zimmer brennenden Kerze nähert und – zisch! – in der Flamme verbrennt.

Von Baseball und Bisexualität

„Switch-Hitter“ erzählt von Melissa als bisexueller Sportlerin. Ein Switch-Hitter ist, klärt mich dictionary.com auf, „baseball: a batsman who can hit either right- or left-handed. slang: a bisexual person“. Für sie als knabenhaftes Mädchen lag es nahe, sich im Sport zu verwirklichen. Baseball war ein Männersport, da gab es keinen Zugang, aber Softball wurde zu ihrer Lieblingssportart. Der Sport bedeutete Verausgabung, vollen Einsatz, Erfolg und Misserfolg, Kameradschaft und Gemeinschaft. Und außerdem bot der Mannschaftssport die Gelegenheit, mit ähnlich gearteten Mädchen zusammenzukommen und Freundschaft zu schließen. Melissa betreibt natürlich nicht nur Softball, sondern auch andere Sportarten wie etwas Gewichtheben. Zur wirklichen Profisportlerin fehlt ihr allerdings der letzte Biss. Zwar hat einer ihrer Trainer gesagt: „You’ll make it if you want it“ (S. 108), doch als es darum geht, in eine Universitäts-Mannschaft aufgenommen zu werden, versagt sie überraschend. Daraufhin hört sie mit dem Softball auf – und beginnt zu trinken. Auch das schildert sie ganz offen. Vom Alkohol kommt sie los, als sie wieder Sport betreibt: Roller-Derby. In der neuen Mannschaft findet sie ihre erste lesbische Partnerin.

Das „Mädchen vom Land“

In „Meat an Potatoes“ geht es um die Aura des „Mädels vom Land“, dem man gewissermaßen ansieht, dass es mit Fleisch und Erdäpfeln aufgezogen worden ist. Und diese Aura wird man nicht los, auch wenn man zehn Jahre in der Großstadt wohnt und einen intellektuellen Job hat. Daneben geht es im Essay auch um das Essen: Soll man Vegetarierin sein? In Brooklyn eher ja, da kauft man bei Wholefoods ein und ernährt sich verantwortlich, aber zu Hause in Wisconsin, da ist man erst wirklich daheim, wenn auf dem Teller „meat and potatoes“ aufgehäuft werden.

Gun country

Ein Essayband über den Mittleren Westen der USA kann nicht ohne einen Essay über Waffen auskommen. „Gun country“ nennt Faliveno ihr Land. Sie beschreibt die Selbstverständlichkeit, mit der die Leute Waffen besitzen, sei es Jagdgewehre, sei es Revolver und Pistolen. Dort wundert sich niemand, wenn einer mit einer Pistole im Gürtel zum Gottesdienst erscheint. Doch muss man als Intellektuelle nicht den Waffenbesitz in den USA in Bausch und Bogen verurteilen? Theoretisch ja, doch Faliveno ist ehrlich genug, zuzugeben, dass die Sache denn doch nicht so einfach ist, insbesondere, wenn man an die allgemeine Begeisterung der Landbevölkerung für die Jagd denkt. Für einen Europäer hingegen ist es befremdlich, sich vorzustellen, dass viele Leute, auch Frauen, in den USA eine „gun“ haben, um notfalls sich selbst und die Familie zu verteidigen. Aber – würden sie wirklich jemanden totschießen? Das ist dann zum Glück doch eher die Ausnahme. 

Kinder oder nicht?

„Motherland“ – da geht es wieder um Wisconsin. und zwar unter dem Aspekt der Mutterschaft. Die Bestimmung der Frau sei, so die dortige landläufige Ansicht, Heirat und Mutterschaft. Doch was, wenn jemand wie Melissa Faliveno gar keine Kinder haben will? Da entsteht ein ständiger Rechtfertigungsdruck. Die Problematik der verweigerten Mutterschaft verwebt Faliveno hier mit Überlegungen und Beobachtungen zur Pflanzenzucht. Insbesondere die „spider plant“, die Grünlilie (Chlorophytum comosum), hat es ihr angetan, da sie ständig Ableger produziert und damit sozusagen ein Symbol der Mutterschaft ist. Faliveno hat zwar keine eigenen Kinder, aber sie wurde nach und nach zu einer „Pflanzen-Mama“, die zahlreiche Pflanzen von Freunden, die weggezogen waren, aufnahm und pflegte. 

Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang erörtert wird, ist der des Leids, das durch Mutterschaft verursacht wird. Das wird zwar nicht so gern offen ausgesprochen, ist aber da, bei der Großmutter genauso wie bei der Mutter, die ihr Leben ganz der Mutterrolle unterordnen mussten, aber auch bei Melissa selbst, der die Frage Kinder oder nicht? im Grunde auch Leid verursacht…

Der letzte Essay, „Driftless“, handelt von einem Naturphänomen in Wisconsin, einem Landstrich, der von der eiszeitlichen Vergletscherung ausgenommen war und daher ganz anders aussieht als der Rest des Bundesstaats. Dieser Essay unterscheidet sich von den anderen durch eine betont poetische Sprache. Auch hier geht es nicht nur um die Natur, sondern auch um Beziehungen zu Menschen, die diese Natur erforschen.

Alle Essays sind locker strukturiert und in kurze Abschnitte aufgeteilt, die jeweils mit einer großen Initiale beginnen. Gattungstypisch ist das lockere, informelle und ganz subjektive Umkreisen des Themas oder der Themen, mal erzählerisch, mal raisonierend. Die Sprache war für mich gut verständlich, auch wenn mir vielleicht einige Anspielungen und Hintersinnigkeiten entgangen sein mögen.

Ein lesenswertes, sehr interessantes Buch jedenfalls!

Faliveno, Melissa: Tomboyland. Essays. Topple Books (=Amazon), 2020. 244 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: „Ex libris“. Porträt von Melissa Faliveno. Tuschestift, Buntstift. 2017.

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Franz Hohler: Alt? Gedichte

Wolfgang Krisai: Leser in der Wiener Städtischen Bücherei. Bleistiftskizze, 2015.

Ich muss vorausschicken: Ich habe schon einige Bücher Franz Hohlers mit großem Genuss gelesen (und hier und hier rezensiert) und ihn selbst einmal bei einer Lesung erlebt, wo er – verdientermaßen – den größten Applaus geerntet hat, den ich je bei einer Autorenlesung erlebt habe.

Vor einiger Zeit kam mir sein Buch „Alt? Gedichte“ in einer großen Wiener Buchhandlung unter. Ich las den Anfang des ersten Gedichts, in dem es, wie der Titel schon ankündigt, ums Alt-Sein geht, und schreckte zurück.

Offenbar ging es anderen Leuten auch so, denn vor ein paar Tagen fand ich das Buch in derselben Buchhandlung im Flohmarkt-Kistl. Diesmal nahm ich es. Und las es sofort. Stellte dabei fest, dass nur das erste Gedicht ausschließlich vom Alt-Werden handelt, während die anderen zwar auch die Lebenssituation eines älteren Menschen reflektieren, aber immer um irgendwelche interessanten Themen abseits vom bloßen Alt-Werden kreisen. Zum Beispiel um öffentliche Verkehrsmittel, um ökologische Fragen – oder es sind gar Übersetzungen bekannter Gedichte ins Schwyzerdytsch, was für den Nicht-Schweizer wahrscheinlich noch amüsanter ist als für den, der diese Sprache spricht.

Viele der Gedichte sind von leisem Humor durchzogen, einige wirklich lustig. Späte Erkenntnis also: ein lesenswerter Band.

Franz Hohler: Alt? Gedichte. Luchterhand-Literaturverlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, 2017. 90 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Leser in der Wiener Städtischen Bücherei. Bleistiftskizze, 2015.

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Fanny und Robert Louis Stevenson: Südseejahre.

Wolfgang Krisai: Strand bei Giens, Frankreich. Ölpastell.

Aus beruflichen Gründen suchte ich alle meine Stevenson-Bücher zusammen und kam auf eine erstaunliche Anzahl, fast alle noch ungelesen. Darunter auch die „Südseejahre. Eine ungewöhnliche Ehe in Tagebüchern und Briefen“ von Fanny und Robert Lous Stevenson, die ich nun auch gleich gelesen habe.

Den Großteil des Bandes machen die Tagebucheintragungen Fanny Stevensons aus, etwa ein Viertel, schätze ich, umfassen Briefauszüge von Robert Louis Stevenson. Darüber hinaus gibt es Einleitungen, Worterklärungen und Anmerkungen.

Fanny Stevenson

In der Einleitung wird Fanny Stevenson vorgestellt. Sie war Amerikanerin – Stevenson hingegen Schotte – aus Indianapolis mit Namen Fanny Vandegrift. Sie war eine energische Frau, nicht gerade eine Schönheit, aber eine Person, die auf ihre Selbständigkeit in einer Zeit bedacht war, in der es für Frauen noch kaum Selbständigkeit gab. In erster Ehe war sie mit einem Filou verheiratet, der in Kalifornien sein Glück suchte, es aber nicht fand. Auch Goldsucherei in den verschiedensten Goldrausch-Gegenden half da nicht.

Fanny trennte sich mehrmals von ihm, versuchte es dann wieder mit ihm – sogar noch, als sie Robert bereits kennengelernt hatte, und zwar in der Nähe von Paris, in Grez, wo es eine Künstlerkolonie gab. Stevenson verliebte sich in sie, doch sie nahm zunächst kaum Notiz von ihm.

Horrortrip und Hochzeit

Erst als ihr neuerlicher Versuch, die Ehe zu retten, schiefging, telegrafierte sie Robert, der daraufhin Geld zusammenkratzte und nach Amerika fuhr, per Schiff und dann per Bahn quer über den Kontinent nach Kalifornien. Für den lungenkranken Schriftsteller ein „Horrortrip“ (S. 19).

Die beiden heirateten, ohne dass sie die Eltern zuvor informierten. Erst später gelang es Fanny durch ihre zupackende Art, die Anerkennung von Stevensons Vater, einem Leuchtturm-Ingenieur, zu gewinnen.

Günstiges Klima für den Kranken

Auf einer Pazifikreise fanden die beiden heraus, dass Robert das Klima in Samoa besonders guttat, sodass sie beschlossen, sich dort dauerhaft anzusiedeln. Robert kaufte ein Stück Land in Vailima auf der Insel  Upolu (heute zum Staat West-Samoa gehörig) in der Nähe des Ortes Apia. Von 1890-94 lebten sie dort, bis Robert am 3. 12. 1894 an einer Gehirnblutung starb.

Dann zerfiel der Stevenson-Clan, der sich um ihn geschart hatte. Fanny überlebte ihn um 20 Jahre, die sie aber nicht in Samoa verbrachte. Allerdings liegt sie heute dort neben Robert in Vailima auf einem Hügel begraben. Das Haus der Stevensons ist heute ein Stevenson-Museum.

Managerin und „Bauernseele“

Fanny beschreibt in ihrem Tagebuch vor allem das Mangement des Haushalts und Landguts, das großteils ihre Aufgabe war. Sie musste sich zu einer Chefin zahlreicher samoanischer Dienstboten und Farm-Arbeiter entwickeln, aber genauso zu einer kundigen Bäurin. Dabei hatte sie durchaus schriftstellerische Ambitionen und ärgerte sich sehr, als Robert ihr einmal sagte, sie habe eine „Bauernseele“, sei aber keine Künstlerin (S. 62).

Tatsächlich konnte sie mit den für europäische Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftigen Bedingungen in Samoa gut umgehen. Sie durchschaute die Listen der Samoaner und hielt sie erfolgreich zur Arbeit an, auch wenn sie sich zum Teil über deren Unfähigkeit ärgern musste. Sie beschaffte Saatgut, pflanzte Kaffee, Kakao, Ananas, Mais, Kürbisse und zahllose andere Pflanzen, beaufsichtigte die Nutztiere (Hühner, Schweine, Pferde, die alle ihre Eigenheiten hatten) und leitete gemeinsam mit Robert den Bau ihres Landhauses. Zunächst mussten sie sich mit einer elenden Hütte zufriedengeben, bis dann das stattliche Herrenhaus fertig war. In dieses zogen dann auch Stevensons Mutter und Fannys Sohn Lloyd und ihre Tochter Belle samt Ehemann Joe Strong und Kind Austin ein. Belle entwickelte sich zu einer unentbehrlichen Sekretärin Roberts, der ihr seine Werke diktierte. Was Fanny, krankhaft eifersüchtig, nicht immer goutierte.

Man erfährt einiges über die Beziehung zu den ortsansässigen Weißen (sie war nicht immer friktionsfrei) und zu den Samoanern, von denen Robert der „Geschichtenerzähler“, „Tusitala“ auf Samoanisch, genannt wurde.

Drei Kolonialmächte

Samoa war damals eine seltsame Art von Kolonie: Die Inselgruppe wurde von drei Mächten gemeinsam regiert: den USA, England und Deutschland. Das konnte nicht gut gehen, daher musste ein unabhängiger Mann als Schiedsrichter fungieren, Conrad Cedarcrantz, eine schwedischer Diplomat, der als „OR“ (Oberster Richter) in Fannys Tagebuch aber nicht gut wegkommt, da er vor allem auf Selbstbereicherung aus war.

Krieg und geköpfte Frauen

Das letzte Jahr Stevensons wurde von einem Stammeskrieg in Samoa überschattet, in dem Stevenson vergeblich zu vermitteln versuchte. Zwei samoanische Würdenträger wurden von den Kolonialherren gegeneinander aufgewiegelt, beanspruchten beide die Königswürde und gingen schließlich mit kleinen Armeen aufeinander los. Dabei kam es zu üblen Szenen. Unter anderem wurden drei Frauen geköpft, obwohl das als extrem unehrenhaft galt, und der unterlegene Kronprätendent musste ins Exil gehen. (Kaum war Laupepa, der Sieger, 1898 gestorben, wurde Mataafa, der Unterlegene, zurückgeholt, von den Kolonialmächten 1900 als König eingesetzt und regierte als solcher 12 Jahre lang! Das erfährt man aus den biographischen Informationen am Ende des Buches.)

Zuvor kümmerten sich die Stevensons um die im örtlichen Gefängnis eingesperrten Häuptlinge der unterlegenen Seite. Das Gefängnis beaufsichtigte damals übrigens eine österreichischer Offizier namens Wurmbrand. Dem waren Stevensons Besuche im Gefängnis gar nicht recht, weil er fürchten musste, dass dadurch Aufruhr unter der Bevölkerung entstand und die Stevensons in Gefahr geraten könnten. 

Melancholie und Depressionen

Die letzten Monate werden im Buch vorwiegend durch Roberts Briefe an seinen Freund Sidney Colvin abgedeckt, der auch der erste Herausgeber der „Vailima-Letters“ war (1895). Fanny schrieb nichts in ihr Tagebuch, da sie vermutlich von Depressionen heimgesucht war. Was, finde ich, kein Wunder ist, wenn man all die Widrigkeiten ihres Lebens in Betracht zieht. Doch auch Roberts Briefe sind von Melancholie und Selbstzweifeln überschattet, zumal er in der Kriegssituation und danach, wo er vielfach als Berater der Samoaner tätig war, nicht abschätzen konnte, ob er immer das Richtige riet und tat. Umso mehr freut es ihn, wenn er von den Samoanern als Freund gefeiert wird. Sie bauen ihm sogar als Geschenk eine befestigte Zufahrtsstraße zu seinem Haus. Und zu seinem Geburtstagsfest kommen an die 160 Leute, was wiederum Fannys Managerinnen-Qualitäten ordentlich herausgefordert haben wird.

Die Tagebücher – ein „Rohdiamant“

Der Herausgeber bezeichnet Fannys Tagebücher als „Rohdiamant“, da sie nicht für eine Veröffentlichung überarbeitet wurden. Aber gerade darin liegt ihr Reiz. 

Manche Stellen wurden im Original einst geschwärzt (so die „Bauernseelen“-Aussage auf Seite 62), man konnte sie aber inzwischen mit speziellen fotografischen Techniken wieder sichtbar machen. Auch davon sind einige in diese Auswahl aufgenommen – die dann durchaus irritierend aus dem Duktus der Tagebücher herausfallen, weil sie plötzlich die weniger schönen Seiten von Fannys Leben aufflackern lassen.

Stevensons Briefe

Roberts Briefe hingegen zeigen manchmal einen fast schon bemühten Humor, mit dem er als schottischer Gentleman seiner zerrütteten Gesundheit Paroli bot. Immer musste er damit rechnen, dass Anstrengungen, die oft unvermeidlich waren, zu „Blutstürzen“ führten, und ihn kleine Erkältungen gleich wochenlang außer Gefecht setzten.

Über Roberts schriftstellerische Arbeit erfährt man erstaunlich wenig, nämlich kaum mehr als die Titel der Werke, an denen er gerade schreibt, so z. B. seines letzten Romans, „St. Yves“, den ich inzwischen zu lesen begonnen habe.

Ein überaus interessantes Buch, das Einblick in eine dem Europäer des 21. Jahrhunderts komplett fremde Welt gibt. 

Stevenson, Fanny und Robert Louis: Südseejahre. Eine ungewöhnliche Ehe in Tagebüchern und Briefen. Hg. u. a. d. Engl. übers. v. Lucien Deprijck. Mare-Verlag, Hamburg, 2011. 394 Seiten. Einige Schwarzweiß-Abbildungen.

Bild: Wolfgang Krisai: Strand bei Giens, Frankreich. Ölpastell. 2001. – Mit einem Bild aus der Südsee kann ich nicht aufwarten, aber zumindest mit diesem Sonnenuntergang am Mittelmeer.

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Maynard Solomon: Beethoven. Biographie

Wolfgang Krisai: Beethovenmuseum Probusgasse, Wien. Bleistiftzeichnung, 2020.

Maynard Solomons „Beethoven“ soll nach wie vor eine der besten Biographien des großen Komponisten sein. Daher las ich sie anlässlich des Beethoven-Jubiläumsjahres.

Solomon teilt Ludwig van Beethovens Leben (1770-1827) in große Abschnitte ein: „Bonn“, „Wien – die frühen Jahre“, „Die heroische Periode“, „Die letzten Jahre“. Innerhalb jedes Abschnitts geht es in erster Linie um biographische Aspekte, den Schluss bildet dann jeweils ein umfangreicherer Abschnitt zur in dieser Zeit komponierten Musik. Diese Darstellungen sind dennoch knapp, aber Musikanalyse ist natürlich nicht der Hauptzweck einer Biographie.

Besonders interessant fand ich die Abschnitte über Beethovens Verhältnis zu seinen Eltern, die detektivische Suche nach der „Unsterblichen Geliebten“ und die Querelen um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl.

Der Vater – ein Trunkenbold

Der Vater war ja ein Trunkenbold, der im Vergleich zu seinem Vater, also Beethovens Großvater, in der Musik wenig und sonst auch nichts leistete. Die Mutter hatte in der Familie das Heft in der Hand, und nach deren Ableben musste Beethoven als ältester (lebender) Sohn diese Rolle übernehmen. Damit der Vater das Geld nicht versaufen konnte, suchte er sogar beim Fürstbischof, bei dem der Vater als Musiker angestellt war, an, dass dessen Gehalt zur Hälfte direkt an ihn, den Sohn, ausgezahlt werde. Das muss aber vom Vater als arge Demütigung angesehen worden sein, sodass Beethoven nie damit ernst machte. Das große Vorbild war jedenfalls nicht der Vater, sondern der Großvater.

Die unsterbliche Geliebte

Solomon weist nach, dass es Antonia Brentano gewesen sein muss. Das Kapitel ist spannend wie ein Detektivroman. Offenbar waren die Tage rund um den berühmten Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ für Beethoven und das Ehepaar Brentano äußerst turbulent, aber es ist ihnen gelungen, ihr Beziehungs-Schifflein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren und weiterhin Freunde zu bleiben. Antonia scheint nämlich Beethoven ein Angebot gemacht zu haben, für ihn ihren Mann zu verlassen. Beethoven war überwältigt (vielleicht ist es ja wirklich zu einem sexuellen Abenteuer gekommen), aber im Endeffekt lehnt er Antonias Angebot ab. Unter „normalen“ Menschen hätte dies den völligen Bruch bedeutet. Hier aber nicht. Erst finanzielle Machinationen Beethovens rund um die Publikation der „Missa Solemnis“, in die er auch Franz Brentano hineinzog, führten schließlich Jahre später zum Ende dieser Freundschaft.

Die Querelen um den Neffen Karl

Auch hier scheint es sich um eine psychologisch äußerst komplizierte und widersprüchliche Angelegenheit gehandelt zu haben. Beethoven wollte Karl als eine Art Sohn haben und ihn um jeden Preis seiner für unwürdig erachteten Mutter Johanna entziehen, nachdem Karls Vater, der Bruder Beethovens, gestorben war. Sehr überraschend ist, dass sich die Sache löste, als Karl sich erschießen wollte und mit einer Kugel im Kopf (!!!) lebend aufgefunden wurde. Nach der Heilung beschritt er eine solide Laufbahn als kleiner Staatsbeamter. Kaum zu glauben!

Beethovens Taubheit

Auch Beethovens Taubheit war nicht so entschieden, wie man sich das landläufig vorstellt, sondern sie entwickelte sich schrittweise und nicht für alle Tonfrequenzen in gleichem Maße, sodass er manchmal noch gewisse Töne hören konnte, während er andere nicht hörte. Klar aber, dass einen so etwas als Musiker in Verzweiflung stürzen kann. Das berühmte „Heiligenstädter Testament“, im Buch natürlich in voller Länge zu lesen, ist ein Dokument dieser Verzweiflung – geschrieben bereits in einem Anfangsstadium der Taubheit.

Napoleon und die „Eroica“

Beethovens Verhältnis zu Napoleon ist auch ein ganzes Kapitel gewidmet. Rund um die Widmung der Eroica ist es ja zu allerlei seltsamem Hin-und-Her gekommen. Mit Napoleon in Zusammenhang steht auch Beethovens damals populärstes und von den Musikwissenschaftlern besonders ablehnend behandeltes Werk: „Wellingtons Sieg“ op. 91.

Insgesamt jedenfalls ein sehr interessantes und lesenswertes Buch, das mir ein deutlich differenzierteres Bild des großen Komponisten vermittelte, als ich es bisher hatte.

Solomon, Maynard: Beethoven. Biographie. Büchergilde Gutenberg, [1977]. 446 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Beethovenmuseum Probusgasse Wien, Bleistiftzeichnung, 2020.

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Wolfgang Petritsch: Epochenwechsel

Bild: Wolfgang Krisai: Aquarell. 1987.

Der auf der politischen Bühne versierte Autor (er war z. B. zwischen 1999 und 2002 UNO-Repräsentant für Bosnien und Herzegowina) behandelt die politischen Veränderungen der letzten Jahre, wofür er bis zum Kalten Krieg ausholt. Vor allem die Zeit nach 1989 wird ausführlich und die Gegenwart besonders genau beschrieben und analysiert. Das Ergebnis ist nicht sehr beruhigend, aber Petritsch betreibt auch keine Panikmache.

China auf dem Weg zur Weltmacht

Er sieht China auf dem Vormarsch zur Weltmacht Nr. 1, und zwar auf wirtschaftlichem Weg, statt auf kriegerischem. Putin wiederum versucht trotz wirtschaftlicher Schwäche seines Landes Russland als Weltmacht wieder zu etablieren und gleichzeitig die EU und die USA zu destabilisieren, indem er subversive Mittel des Digitalzeitalters geschickt ausnützt. So soll Russland seine Finger im US-Wahlkampf genauso wie im Brexit-Votum der Briten drin gehabt haben. Trump und der Brexit sind in Petritschs Augen die größten Fehler der westlichen Welt, denn sie destabilisieren diese in einer Zeit, wo der Westen angesichts der Herausforderungen Türkei, Syrien, China und Russland stark sein müsste.

Digitale Total-Überwachung

Die politischen Auswirkungen von Digitalisierung, Internet und künstlicher Intelligenz seien noch nicht abzusehen, aber jedenfalls nicht so, dass da automatisch ein goldenes, demokratisches Zeitalter heraufdämmern würde. Im Gegenteil, China exerziert gerade vor, wie ein Land das Internet und die digitalen Überwachungsmöglichkeiten aller Art geschickt zur totalen Überwachung und Gängelung der eigenen Bevölkerung einsetzen kann und wird. 

Ein überaus interessantes und lehrreiches Buch.

Wolfgang Petritsch: Epochenwechsel. Unser digital-autoritäres Jahrhundert.  Mitarbeit: Philipp Freund. Brandstätter Verlag, Wien, 2018. 285 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Aquarell. 1987.

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Stephan Füssel: Die Gutenberg-Bibel

Das Gutenberg-Denkmal am Lugeck in Wien.
Das Gutenberg-Denkmal am Lugeck in Wien. (Foto: buchwolf)

Die Faksimile-Ausgabe der Gutenberg-Bibel des Taschen-Verlags enthält einen Kommentarband von Stephan Füssel:

Jede Gutenberg-Bibel ein wenig anders

Zunächst stellt der Autor Gutenberg vor, dann die Gutenberg-Bibel, dann genauer das Göttinger Exemplar, das als Vorlage für das Faksimile diente. Man muss bedenken, dass jede der 180 42-zeiligen Gutenberg-Bibeln ein wenig anders ist, da es nicht nur kleine Unterschiede im Druck gibt, auch im bedruckten Material (nämlich Pergament oder Papier), vor allem aber in der buchkünstlerischen Gestaltung und im Einband, da Gutenberg ja mittelalterliche Handschriften nachahmte und daher nicht nur schwarzen Text vorsah, sondern rote Initialen und Anfangszeilen der biblischen Bücher (die ein „Rubrikator“ von Hand eintragen musste, da Gutenberg schnell erkannte, dass zweifarbiger Druck zu aufwändig wäre (erst seine Kompagnons Fust und Schöffer druckten dann zweifarbig)) und schön gemalte Initialen und anderen Buchschmuck, den ein Buchmaler einzufügen hatte. Außerdem musste der Käufer das Buch – im Falle der Gutenberg-Bibel waren es sogar zwei Bände – nach eigenen Vorstellungen binden lassen.

Wichtigste Urkunde zu Gutenberg

Der Kommentarband stellt auch das wichtigste urkundliche Dokument zum Leben Gutenbergs vor, das sogenannte „Helmaspergersche Notariatsinstrument“, in dem ein Gerichtsschreiber den Ausgang des Rechtsstreits zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johannes Fust genau notierte. Als nämlich die 42-zeiligen Bibeln 1455 fertig waren, zerstritten sich die beiden und trennten sich, wobei Gutenberg Fust ziemlich viel Geld zahlen und allerlei Material (z. B. Schrifttypen) überlassen musste, mit denen Fust dann gemeinsam mit dem von Gutenberg abgeworbenen Druckergesellen Peter Schöffer eine eigene, sehr erfolgreiche Druckerei eröffnete.

Möglicherweise führte aber gerade dieses Zerwürfnis zur schnelleren Verbreitung der neuen Technik, da Gutenberg seinem Konkurrenten schaden wollte, indem er möglichst viele Drucker ausbildete, die dann in andere Städte gingen und dort Druckereien eröffneten.

Malanleitung

Der Kommentarband stellt auch ein wichtiges Hilfsmittel für die Buchmaler vor, das „Göttinger Musterbuch“, in dem Buchmalern genau erklärt wird, wie und mit welchen Farben sie die Verzierungen der Bibeln malen könnten. Das Göttinger Exemplar wurde ganz offensichtlich nach diesem Musterbuch illuminiert.

49 noch erhalten

Im Anhang findet sich eine Liste der Standorte der 49 noch erhaltenen Gutenberg-Bibeln, eine davon in der Österreichischen Nationalbibliothek. Außerdem gibt es eine Liste der im Internet frei verfügbaren digitalen Editionen der Gutenberg-Bibel.

Stephan Füssel: Die Gutenberg-Bibel von 1454. Kommentar zu Leben und Werk von Johannes Gutenberg, zum Bibeldruck, den Besonderheiten des Göttinger Exemplars, dem „Göttinger Musterbuch“ und dem „Helmaspergerschen Notariatsinstrument“. Taschen-Verlag, Köln, 2018. 114 Seiten.

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Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Wolfgang Krisai: Logo des Erlanger Poetenfests 2018 mit Wolfram-Denkmal aus Wolframseschenbach.

Thomas Klupp erlebte ich beim Erlanger Poetenfest im Sommer 2018, und dort kaufte ich auch seinen neuen Roman, den er dort vorstellte: „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“.

Kurz gesagt, ist der Roman eine Kreuzung aus „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf (was Modernität, Schülersprache und „Unmoral“ betrifft) und Heinrich Spoerls „Die Feuerzangenbowle“ (was die flotte Abfolge lustiger Schülerstreiche betrifft).

Der Ich-Erzähler und Held des Romans ist Benedikt Jäger, 15 Jahre alt und Gymnasiast am Kepler-Gymnasium in Weiden in der Oberpfalz nördlich von Regensburg. Seine Freunde nennen ihn „Dschägga“.

Er ist ein Tennis-As und spielt in der schulischen Tennismannschaft, die im Vorjahr eine Tennis-Meisterschaft gewonnen hat und nun, Anfang September und Anfang des Romans, dafür als Belohnung eine Ballonfahrt über Weiden hinweg machen darf. Tolles Erlebnis für alle beteiligten Burschen.

Sargnagel

In der Schule läuft aber nicht alles toll. Sie bekommen einen extrem strengen Mathe- und Physik-Lehrer namens Scharnagl, genannt Sargnagel, der ihnen schwer zu schaffen macht, obwohl er selbst an Krebs leidet und es nicht mehr lange machen wird.

Um seine Eltern nicht zu enttäuschen und deren Gunst nicht zu verlieren, hat Jäger sich ein gefinkeltes System der Fälschung schulischer Leistungen ausgedacht. Er hat die schulischen E-Mails auf einen eigenen Account umgeleitet, von wo aus er nur die unverfänglichen an seine Eltern weiterleitet. Noten von Schularbeiten und Tests, aber auch zu unterschreibende Hausübungen und ganze Zeugnisse fälscht er, wobei er auch zum souveränen Unterschriften-Fälscher geworden ist. Niemand kommt ihm je drauf.

Schummeln ist natürlich an der Tagesordnung, wobei Jäger Glück hat, da er neben der zwar unattraktiven, weil fetten, aber sehr gescheiten Margarete sitzt, die ihn einmal sogar aus einer hoffnungslosen Mathe-Situation rettet, wodurch Jäger erkennt, dass Margarete ihn offenbar liebt. Mehr wird daraus aber nicht.

Küsst super

Jäger ist noch „Jungfrau“, was ihn gewaltig stört. Das ändert sich während des Romans auch nicht, obwohl er eine Art „Freundin“ hat, nämlich ein flottes Mädchen namens Marietta, älter als er, die ihn engagiert hat, um vor ihren Freundinnen nicht ohne Freund dazustehen. Sie küsst super – aber darüber hinaus tut sich zwischen den beiden nichts, und die ganze Geschichte ist auch von seiten Mariettas auf wenige Wochen befristet. 

Auch die Mutter, Monika, spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Sie stammt von einem Bauerndorf, hat sich aber – dank ihres Geld scheffelnden Ehemanns, der ein unermüdlich operierender Chirurg am Weidener Krankenhaus ist – in der Hierarchie des Ortes hinaufgearbeitet, wobei Sohn Benedikt ihr eifrig beim Flunkern und Angeben helfen musste. Was er, als notorisch begabter Fälscher und Lügner, gerne macht, zumal er jedesmal Geld von der Mutter zugesteckt bekommt.

Flüchtlinge verschwinden aus dem Roman

Die Mutter ist eine wichtige Figur beim örtlichen Lions-Club und veranstaltet Charity-Partys für von Lions betreute Flüchtlinge. Diese spielen zwar anfangs eine Rolle, verschwinden aber dann weitgehend aus dem Roman.

Dass Jäger auch in dubiosen Lokalen rumhängt und kifft, ist selbstverständlich. Die Eltern ahnen nichts davon.

Der Roman besteht eigentlich aus einer Aneinanderreihung von Episoden, wo Jäger in Schwierigkeiten gerät und sich immer wieder mit knapper Not retten kann. Ich kann hier nicht alle aufzählen.

Originell ist z. B., wie Jäger nach einem gewonnenen Tennismatch in Grafenwöhr seinen Freund Vince vor einer Verprügelung durch einen Hühnen der gegnerischen Mannschaft rettet, woraufhin die beiden quer-garten-ein durch den Ort flüchten.

Physiktest „umschreiben“

Um sich eine bessere Note bei einem wichtigen Physik-Test zu erschummeln, bekniet Jäger seinen Tennis-Kollegen Jiri, für ihn – gegen Geld (im Endeffekt muss Jäger Jiri ein neues iPhone X kaufen und dafür das Geld erst auf abenteuerliche Weise auftreiben) – den Test zu machen: Jäger fotografiert den Angabezettel, schickt ihn Jiri, der am WC ist und schnell die Lösung auf ein Blatt schreibt und am WC deponiert, dann soll Jäger aufs WC gehen und die Lösung abholen. Doch Prof. Sargnagel vereitelt das, indem er Jäger aufs Lehrer-WC schickt. Wenn dieser Test schiefgeht, würde die Schule seine Mutter verständigen – durch einen persönlichen Anruf eines Lehrers – und dann würde diese die Wahrheit über die schlechten Leistungen ihres Sohnes erfahren. Also muss Jäger sich eine Lösung einfallen lassen. Diese ist dann Höhepunkt und Schluss des Romans: ein Einbruch bei Professor Sargnagel, wo Jäger und zwei Freunde die am Vormittag geschriebenen Physiktests „umschreiben“, von Sargnagel erwischt werden, aber gerade noch unerkannt flüchten können. Auch diesmal werden sie nicht ausgeforscht.

Gutes?

Wie Jäger „fälschte und log“, das ist nun klar. Aber wo „tat er Gutes“? Das fällt vergleichsweise dünn aus. Denn er ist ein guter Kumpel, hält zu seiner Tennismannschaft, er hilft seiner Mutter beim Aufbau eines gefakten Images, ebenso Marietta, aber richtig gute Taten sind da nicht dabei. 

Trotzdem, ein unterhaltsamer Roman, der auch wegen seiner flotten „Jugendsprache“ gut zu lesen ist. Natürlich ist es eine künstliche Jugendsprache (wie Thomas Klupp beim Gespräch in Erlangen auch zugab), aber sie funktioniert.

Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat. Roman. Berlin-Verlag, München/Berlin 2018. 253 Seiten.

Bild Wolfgang Krisai: Logo des Erlanger Poetenfests 2018 mit Wolfram-Denkmal aus Wolframs-Eschenbach. – Anlässlich des Besuchs in Erlangen besichtigten wir auch das nahe Wolframs-Eschenbach, daher das Denkmal in diesem Bild.

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„Es sind vortreffliche Italienische Sachen daselbst“. Louise von Göchhausens Tagebuch ihrer Reise mit Herzogin Anna Amalia nach Italien

Wolfgang Krisai: Rokoko-Berline, sogenannter "Prinzen- oder Damenwagen", Wagenburg, Schloss Schönbrunn, Wien. Federzeichnung, 2017.

Meine Frau schenkte mir diese wissenschaftliche Ausgabe von „Louise von Göchhausens Tagebuch ihrer Reise mit Herzogin Anna Amalia nach Italien vom 15. August 1788 bis 18. Juni 1790“. Es ist der Band 72 der „Schriften der Goethe-Gesellschaft“ und vom Wallstein-Verlag in gediegener Weise gestaltet.

Interessant kommentierte Ausgabe

Das eigentliche Tagebuch umfasst 148 Seiten, darüber hinaus gibt es eine Einleitung, editorische Erläuterungen, einen äußerst umfangreichen Sachkommentar und ein kommentiertes Personenverzeichnis.

Die Idee, die Personen normalerweise nicht im Kommentar zu kommentieren, sondern im Personenverzeichnis, ist sehr praktisch, da man ja häufig nicht beim ersten Auftreten der Person gleich etwas nachschauen will, sondern vielleicht erst beim fünften oder zehnten. Allerdings ist die Kommentierung im Personenverzeichnis deutlich weniger ausführlich als die zu den Sachthemen im Sachkommentar, wo die Informationen oft geradezu ausufern, vor allem, wenn es um Kunstwerke geht, die besichtigt und genannt werden.

Einige Seiten des Originals sind abgebildet, sodass man auch von der Handschrift Göchhausens einen Eindruck bekommt. Auch ein von Goethe gezeichnetes Porträt der Autorin ist enthalten.

Scharfes Mundwerk, aber nüchternes Tagebuch

Louise von Göchhausen war eine kleine, verwachsene Frau, die lange Jahre die Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach war und nur wenige Monate nach deren Tod 1803 ebenfalls starb. Sie war beliebt, weil sie einen scharfen Verstand und ein offenbar nicht weniger scharfes Mundwerk hatte.

Das goutierte möglicherweise aber nicht jeder, denn im Kommentar zum 1. 12. 1789 (Aufenthalt war gerade in Rom, an diesem Tag erfuhr man vom Selbstmord des jungen Sängers David Heinrich Grave) wird vermutet, Louise von Göchhausens ständige Sticheleien gegen den Sänger hätten zu dessen Tod beigetragen und darüber sei es zu einem ernsten Zerwürfnis mit der Herzogin gekommen (wovon wieder Goethe ein Jahr später in einem Brief etwas andeutet). Im Tagebuch wird davon nichts gesagt, denn Gefühle und Kommentare sind daraus generell ausgespart.

Genaue Chronistin des Tagesgeschehens

Göchhausen vermerkt genau, aber in aller Kürze, was jeden Tag gemacht wurde, wo man übernachtete, wo man einkehrte, welchen Vergnügungen man sich hingab.

Die Herzogin liebte die Musik (komponierte sogar selbst), daher hatte sie Musiker – zunächst einen Schweizer Komponisten, der sich aber bald beurlauben ließ, und dann eben diesen unglückseligen Grave – in ihrer Entourage, wie übrigens auch einen Arzt, einen Koch, einen italienischen Cicerone, eine Kammerfrau, eine Kammerjungfer, einen Hofmarschall und die Hofdame Göchhausen umfasste.

Eigentlich inkognito

Die Herzogin reiste inkognito unter dem Namen Gräfin von Allstedt, konnte das Inkognito aber vor allem in Rom nicht mehr aufrecht erhalten.

Die Reiseroute – am vorderen Vorsatzpapier auf einer Landkarte abgebildet – verlief von Weimar über Regensburg, München, Innsbruck, Verona, Mailand, Parma, Florenz, Pisa, Siena, Viterbo nach Rom, wo man länger blieb, dann weiter nach Neapel, nach einem Monat zurück nach Rom, dann bald wieder nach Neapel, wo man dann lange blieb – mit Ausflügen nach Paestum, auf die Insel Ischia, nach Andria (dort aber merkwürdiger Weise nicht zum Castel del Monte!), zurück ging es dann über Rom, Ancona, Bologna, Venedig, Padua, Verona, Innsbruck, Augsburg, Nürnberg nach Weimar. In Venedig erwartete sie Goethe, der dort schon ein Monat zu früh eingetroffen war, und begleitete sie dann nach Hause.

Die Reise beanspruchte die Weimarer Staatsfinanzen empfindlich, zumal die Herzogin die geplante Reisezeit von einem Jahr fast um ein weiteres Jahr überzog. Aber es gefiel ihr in Neapel dermaßen…

Erstaunliche Aufnahmekapazitäten

Absolut erstaunlich ist die Aufnahmekapazität der Herzogin und der Hofdame, was Kunstwerke betrifft. Praktisch jeden Tag wird irgendeine Sehenswürdigkeit besichtigt, manchmal auch mehrere, und in den Kirchen, Klöstern und Palästen (die, sofern der Besitzer abwesend war, offenbar problemlos zugänglich waren) wurde nach bedeutenden und weniger bedeutenden Gemälden Ausschau gehalten. 

Darüber hinaus empfing die Herzogin fast täglich Künstler, die ihr Zeichnungen vorlegten, von denen sie gelegentlich welche kaufte, oder die sie porträtierten. So etwa Angelika Kauffmann, Tischbein, aber auch den Maler Verschaffelt und viele andere.

Gesellschaftsleben

Täglich wurde in Gesellschaft gespeist, der Koch war also eine wesentliche Figur in der Reisegesellschaft. Und am Abend ging man in die Oper, in ein Konzert, ließ sich vorsingen oder vorspielen oder spielte und sang selbst. In den wenigen stillen Stunden schrieben sowohl die Herzogin wie auch die Hofdame an ihren Tagebüchern. 

Von Lektüre ist nie die Rede, möglicherweise wurden aber Reiseführer (sofern es solche schon gab) konsultiert. Jedenfalls hätte man nicht so viele Kunstwerke besichtigen können, wenn man nicht im Vorhinein von deren Existenz erfahren hätte.

Die Natur spielt ebenfalls eine geringere Rolle. So spektakuläre Naturschauspiele wie aus dem Vesuv hervorquellende Lava, zu der man extra hinaufstieg bzw. -getragen wurde, oder Wasserfälle, Schluchten oder Ähnliches besichtigten die Reisenden aber sehr wohl.

Eigene Kutsche, fremde Pferde

Die Gruppe reiste in zwei eigenen Kutschen, nur die Pferde wurden an den Poststationen gewechselt, manchmal mussten auch welche zusätzlich vorgespannt werden, um Berge zu überwinden. Diese Kutschen waren sicher nicht gerade bequem im Verhältnis zu heutigen Fortbewegungsmitteln. Außerdem konnten sie umstürzen (was einmal geschah, wobei aber niemand verletzt wurde) oder Räder konnten zu Bruch gehen (was öfter geschah). Vor dem Regen schützten sie jedoch offenbar ausreichend, auch Kälte ließ sich ertragen.

Insgesamt eine äußerst interessante Lektüre. Man möchte gleich mehr über Louise von Göchhausen oder Anna Amalia erfahren.

„Es sind vortreffliche Italienische Sachen daselbst“. Louise von Göchhausens Tagebuch ihrer Reise mit Herzogin Anna Amalia nach Italien vom 15. August 1788 bis 18. Juni 1790. Hg. u. komm. v. Juliane Brandsch. Schriften der Goethe-Gesellschaft, Band 72. Wallstein-Verlag, Göttingen, 2008. 518 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Rokoko-Berline, sogenannter „Prinzen- oder Damenwagen“, Wagenburg, Schloss Schönbrunn, Wien. Federzeichnung, 2017. – Mit einer Zeichnung von Anna Amalias Reisekutsche kann ich nicht aufwarten, aber zumindest von dieser schönen Kutsche aus der Wiener Wagenburg.

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