Achleitner: Iwahaubbd

Manchmal ist man vernagelt. So ich, was Achleitner betrifft. Als Professor habe ich ihn einst verehrt, als Architekturkritiker hat er mich überzeugt, gelernt habe ich von ihm nicht nur vieles über die Architektur, sondern auch, wie man gute Fotos belichtet. Aber seine Dialektlyrik – wie die der ganzen Wiener Gruppe – hat mich einst nicht begeistert. Und daher ließ ich seine Werke bis vorgestern links liegen, egal, ob es Lyrik oder Prosa war. Großer Fehler!

Bei „Rund um die Burg“ las er aus fünf, sechs seiner letzten Bücher vor und erntete begeisterten Beifall vom Publikum, auch von mir. Zuletzt gab er einige Kostproben aus dem neuesten Band „Iwahaubbd“, der seine Dialektgedichte von 1955 bis 2011 versammelt, zu Besten. Erklärend leitete er mit dem Hinweis ein, der Innviertler Dialekt sei ein wortkarger Dialekt, arm an Gefühlsausdruck, eher „behauptend, sich rhythmisch wiederholend, überredend, ja bedrängend statt argumentierend“ (Nachwort). Da hat er recht. So sind die Innviertler eben. Und Achleitners Gedichte geben genau diese Art zu sprechen wieder. Man kann sich den folgenden feststellenden Dialog in einer Innviertler Bauernstube in der Nähe der Bahnstrecke nach Steindorf bestens vorstellen:

Wolfgang Krisai: Dampflok. Tuschestift.

jo jo

da simizug

so so

da simizug

a ha

da simizug

da simizug

a ha

jo jo

da simizug

Manchmal ist eine Situation, die ja im Grunde nicht viele Worte braucht, wie die folgende vor einer Liebesnacht, auch wirklich bis zur fast völligen Wortlosigkeit verknappt:

mari

do

wari

Oder darüber, wie sich oft überraschend unzusammenpassende Leute zu einem Paar finden:

do löggsd dö nida

da sebb und dö frida

Viele der Gedichte sind große Literatur, wenn man darunter – wie ich – eine Spiegelung der „conditio humana“ sieht. Etwa die Feststellung:

waon mia

wuaschd wa

wos ma

wuaschd is

wa mia

oess wuaschd

So ist es eben: Das Leben ist oft ein großer Konjunktiv.

Auch das Alltagsleben ist hier auf den Punkt gebracht, vor allem in jenem neunversigen Gedicht, das beschreibt, was auch ich einst im Winter, egal ob es stürmte oder schneite, täglich zu machen hatte:

koin hoin

koin hoin

koin hoin

(usw.)

Also ein großartiger, lustiger, manchmal, wenn auch selten, unverständlicher Gedichtband, der auch den großen Vorteil hat, dass man ihn im Nu gelesen hat, weil die Gedichte mit wenigen Worten auskommen und unmittelbar einleuchten – sofern man des Innviertlerischen mächtig ist.

Buchdaten:

Achleitner, Friedrich: Iwahaubbd.

Dialektgedichte.

Zsolnay, Wien, 2011.

205 Seiten.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Österreichische Literatur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s