Alexa Henning von Lange: Leichte Turbulenzen

Chick-Lit. Auch einmal ein Vergnügen. Von Alexa Henning von Lange wollte ich ohnehin schon lange etwas lesen, nun war dieses Buch über mehrere Tage entlehnbar, da musste ich schnell zuschlagen. Zumal ich im Büchermarkt-Podcast eine Sendung über dieses Buch gehört hatte, wo man es als ähnlich leichte Kost wie eine Fernsehsendung bezeichnet hatte.

Allerdings war das Buch so leichtgewichtig auch wieder nicht, denn es beschäftigt sich mit einem Grundproblem des menschlichen Beziehungslebens: der häufigen Fehlinterpretation von Aussagen.

Handlung:

Das Buch wird von zwei Flügen der jungen deutschen Bildhauerin Ivy (eigentlich heißt sie Yvonne, wie man einmal erfährt) auf der Flugstrecke Berlin-London eingerahmt. Beim ersten Flug leidet Ivy unter irrationaler Flugangst (die ist ja immer irrational), verliebt sich aber gleichzeitig in den Herrn, der neben ihr sitzt, Desmond Gayle heißt und Filmmusikkomponist ist. Da Ivys Angst sie aber immer wieder völlig in Beschlag nimmt, kommt es zu keiner ersprießlichen Kommunikation zwischen den beiden, vor allem zu keinem Austausch von Handynummern oder eMail-Adressen.

Kaum in London angekommen, bereut Ivy ihre Dummheit, hofft, dass Desmond ihr vor ihrem Arbeitsplatz, Madame Toussauds Wachsfigurenkabinett, wo sie Figuren modelliert (aktuell Vincent van Gogh), auftaucht. Parallel dazu bemüht sie sich, bei Warner Bros. eine eMail-Adresse von Desmond in Erfahrung zu bringen, was nach langer Zeit gelingt. Erst ein halbes Jahr nach ihrer ersten Begegnung kann sie ihm daher eine Mail schreiben, und er antwortet prompt, aber kryptisch – seinerseits in der Hoffnung, Ivy werde nun wissen wollen, was die geheimnisvolle Mail bedeute, sie aber ist geradezu paralysiert von der Mail und antwortet zunächst nichts. Ein paar Tage später meldet Desmond sich noch einmal, was Ivys Hoffnungen aufleben lässt. Und dann muss sie noch einmal fliegen, diesmal Richtung Berlin, und wer setzt sich neben sie? Desmond! Happy End.

Dazwischen gibt es allerdings weitere Handlungsstränge:

Ivys holpriges Beziehungsleben: Da gibt es ihren Arbeitskollegen Willem, der in sie verliebt ist, sie aber nicht in ihn. Am Ende des Romans dringt sie nächtens mit Willems Schlüssel bei Madame Toussauds ein, um den van Gogh zu fotografieren, lässt danach aber versehentlich den Schlüsselbund in einen Gully fallen. Wie Willem darauf reagiert, erfährt der Leser nicht mehr.

Da gibt es weiters ihren Chef, der mit ihr anbandeln will und sie zum Essen einlädt, was aber eine steife Angelegenheit wird, die Ivy brüsk abbricht.

Schließlich gibt es ihren Verflossenen, der ein Charakterschwein ist.

Und ihre Freundin Alice, eine hysterische Psychologin. Und ihre untere Nachbarin Eve, die ständig mit ihr über ihre Suche nach Männern reden muss und sie als Kindermädchen missbraucht.

Nächster wichtiger Handlungsstrang: Das Leben von Ivys Schwester Natalie. Diese lebt mit Mann Peer und Töchterchen in Berlin. Sie ist Weltmeisterin im Befürchten des Schrecklichsten. Ihre Tochter könnte Gehirnhautentzündung haben. Ihr Mann könnte sie mit seiner ehemaligen, Jenny, betrügen. Ihr Vater könnte auf seine alten Tage noch der Nachbarin verfallen.

Drittens der Vater der beiden Frauen: Er ist gar nicht Ivys Vater, stellt sich heraus, weil seine Frau (die sich vor Jahren umgebracht hat), ein Verhältnis mit dem Nachbarn hatte, mit dessen Frau Heidi er sich jetzt blendend versteht. Die beiden bekommen das mit dem Verhältnis heraus. Die Töchter bekommen es auch heraus, behalten es zunächst aber für sich, weil sie die alten Eltern nicht beunruhigen wollen. Man sieht: Auch da wird aneinander vorbeigeredet und -gedacht.

Der Roman überzeichnet die dauernden Missverständnisse, Überinterpretationen, falschen Vermutungen, Unterstellungen, die die beiden Protagonistinnen befallen, aber er trifft damit auch ein typisches Problem heutiger Frauen – und wohl auch Männer. Das ist lustig zu lesen, andererseits erkennt man immer wieder schon selbst erlebte Situationen wieder. Tja, man ist eben nur so trivial wie eine Fernsehserie…

Buchdaten:

Henning von Lange, Alexa: Leichte Turbulenzen

Roman.

C. Bertelsmann.

220 Seiten.

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