Ursula Poznanski: Erebos

Vor Kurzem wurde ich durch die „Perchtoldsdorfer Rundschau“ auf die Jugendbuchautorin Ursula Poznanski aufmerksam. Sie hat 1985 an unserer Schule maturiert, lebt in Liesing und hat 2010 mit dem Roman „Erebos“ den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen.

Sofort bestellte ich den Roman – und auch gleich ihren neuesten, „Saeculum“.

„Erebos“ habe ich innerhalb von zwei Tagen gelesen, so interessant und spannend war der Roman.

Die Handlung spielt in London in der Gegenwart. Schülerinnen und Schüler eines Londoner Gymnasiums (bzw. des Äquivalents dazu) geraten reihenweise in den Bann eines Computerspiels namens „Erebos“. Einige Schülerinnen und Schüler und der Englischlehrer Mr. Watson hingegen bleiben skeptisch und warnen vor möglichen Gefahren des Spiels.

Hauptperson des Romans ist Nick, ein rund siebzehnjähriger Jüngling, der unter seinen Eltern leidet (die Mutter ist eine kochfaule Chaotin, der Vater ein desinteressierter Angestellter) und gern seine Klassenkollegin Emily als Freundin hätte, die aber nichts von ihm wissen will.

Zu Beginn des Romans ärgert sich Nick über seinen Freund Colin, der plötzlich so geheimnistuerisch und verändert ist. Es hat mit dem Computerspiel zu tun, stellt sich schnell heraus. Nach einiger Zeit wird auch Nick von einer Spielerin mit der Installations-DVD von „Erebos“ beschenkt (das Spiel kann man nicht kaufen, nur einmal spielen und das nur, wenn man sich an die strikten Geheimhaltungsregeln hält) und taucht seinerseits in die Spielwelt von Erebos ein. Sein Avatar legt sich die Identität eines „Dunkelelfs“ zu und stürzt sich kopfüber und voller Begeisterung in Abenteuer. Seltsamer Weise gibt es im Spiel einen sogenannten „Boten“, der über den realen Nick unglaublich gut Bescheid weiß (später klärt sich auf: Das Spiel scannt die Festplatte und das Internet auf Informationen über den User) und ihm seltsame Aufträge gibt, die in der wirklichen Welt auszuführen sind. Nick wundert sich zwar, führt die Aufträge aber zunächst aus: eine Schachtel von einem Stadtteil Londons in einen anderen bringen und dort verstecken; jemanden unbemerkt fotografieren; so in dieser Preislage.

Als Belohnung für die ausgeführten Aufträge steigt Nick in einen höheren Level auf – oder er darf sich etwas wünschen. Als er sich wünscht, ein von ihm für Emilys Freund gehaltener Schüler solle von Emily ablassen, beschuldigt ein Mädchen diesen Burschen am nächsten Tag, sie zu vergewaltigen versucht zu haben. Das war nicht ganz im Sinne Nicks, der solche Weiterungen nicht vorausgesehen hatte.

Als er allerdings – etwa in der Mitte des Romans – Mr. Watson den Inhalt eines Pillenfläschchens in die Tee-Thermoskanne schütten soll, wird ihm die Sache verdächtig und er führt den Auftrag nicht aus. Schon beim nächsten Einsteigen in das Spiel wirft ihn der Bote gnadenlos aus dem Spiel. Das Spiel verschwindet von der Festplatte seines Computers und lässt sich nicht mehr neu installieren.

Nun ist Nick plötzlich einer von denen, die „draußen“ sind – und betrachtet das Spiel zunehmend kritisch. Emily nähert sich ihm an und führt ihn in einen kleinen Zirkel von Computerfreaks ein, die das Gefahrenpotential von „Erebos“ aufdecken und das Spiel unschädlich machen wollen. Victor, Herausgeber einer Indie-Computerzeitschrift, ist der Kopf der Gruppe, Speedy und dessen Freundin Kathi sowie Emily und jetzt auch Nick gehören noch dazu. Sie spielen das Spiel, sofern sie nicht „draußen“ sind, und versuchen hinter die geheime Absicht zu kommen. Im Spiel läuft alles auf einen finalen Kampf mit einem gewissen „Ortolan“ hinaus. Nick bringt mittels Internet-Recherche heraus, dass es diesen Ortolan wirklich gibt, dass er Besitzer einer Computerspiel-Firma ist und vor einigen Jahren einen Spielprogrammierer, der etwas Phänomenales programmiert hatte (nämlich, wie sich herausstellt, jene künstliche Intelligenz, die im Spiel „Erebos“ zur Anwendung kommt), mit allen Mitteln zur Herausgabe des Quellcodes des Spiels zwingen will. Der Programmierer bliebt verstockt und nahm sich das Leben. Es ist der Vater Adrians, eines Mitschülers von Nick. Dieser Adrian hat nun, zwei Jahre nach dem Tod des Vaters, das Spiel unter die Leute gebracht und damit einen Racheplan des Vaters angestoßen. Die Computerspieler werden vom Spiel systematisch darauf hingetrimmt, ohne nachzudenken in der wirklichen Welt verbrecherische Aufträge auszuführen. Die fünf skrupellosesten Spieler sollen schließlich den finalen Kampf gegen Ortolan, und zwar den in der realen Welt, aufnehmen und diesen töten…

Der Roman ist spannend, liest sich flüssig, hat eine überzeugende Handlung und bietet Figuren, mit denen sich ein Jugendlicher gut identifizieren kann. Die Faszination, die Computerspiele auf junge Menschen ausüben, ist der Motor dahinter – sowohl als Handlungsträger als auch als Lese-Motivation. Die Computerspiel-Welt ist sehr genau beschrieben (ich habe hier nicht wiedergegeben, was sich da genau an interessanter und farbiger Handlung abspielt) und, so weit ich das beurteilen kann, auf dem Entwicklungsstand der Branche von 2010.

Die Grundidee erinnert mich an „Otherland“, wo auch virtuelle und reale Realität ineinander verzahnt sind – nur eben noch wesentlich umfangreicher.

Daten:

Poznanski, Ursula: Erebos.

Thriller.

Loewe-Verlag, Bindlach, 2010

485 Seiten.

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