Poznanski: Saeculum

Ursula Poznanski

Ursula Poznanski bei ihrer Lesung in der Schulbibliothek des BG und BRG Perchtoldsdorf

Eigentlich hatte ich ja gar keine Zeit zum Lesen, denn das vergangene Wochenende war voller Verpflichtungen. Dennoch griff ich zu Ursula Poznanskis „Saeculum“, das zu lesen immerhin eine schulische Rechtfertigung hatte, da ich die Autorin in die Schule einladen will. Der Roman erwies sich als Falle: Man fängt an – und rummms! ist man drin und kommt nicht mehr heraus, bevor man Seite 492 erreicht hat.

Die Aufmachung des Buches ist ja schon vielversprechend: Frakturschrift, kahle Bäume ragen in den weißen Himmel, schwarz gefärbter Buchschnitt rundum. Der Buchschnitt hat noch dazu den großen Vorteil, dass die Seiten ein wenig aneinander kleben und das Umblättern mit meinem Lieblingsgeräusch verbunden ist: das Ratschen, wenn man zusammenhaltende Seiten eines neuen Buches zum ersten Mal trennt.

Der Roman traf eine Ader meiner Interessen: die für lebendig gemachte Geschichte. Er spielt nämlich unter Menschen, die sich dem Mittelalter verschrieben haben und ihre Leidenschaft in sogenannten „Rollenspielen“ ausleben. Im Mittelpunkt steht der Medizinstudent Bastian, der von Sandra, die ihm gut gefällt, auf einen Mittelaltermarkt geführt und dort zu einer Rollenspiel-Convention des Spiels „Saeculum“ eingeladen wird. Und er macht mit.

„Saeculum“ ist ein Rollenspiel, in dem die Spieler sich nach ganz strengen Regeln ins 14. Jahrhundert zurückversetzen. Nicht einmal für den Notfall sind Handy oder Taschenlampe oder Pflaster erlaubt. Organisiert wird das Rollenspiel von Paul und einigen weiteren jungen Leuten, die den Schauplatz auswählen, die Teilnehmer einladen und alles nötige Material vor Ort schaffen.

Paul verwickelt Bastian auf dem Mittelaltermarkt in ein seltsames Gespräch. Erst ganz am Ende, beim „Showdwon“, klärt sich auf, was es damit auf sich hat. Und bis dahin fasziniert Poznanski ihre Leserinnen und Leser mit einer wunderbar ausführlich und überaus spannend erzählten Handlung. Die Gruppe schlägt sich zu ihrem „Spielplatz“ irgendwo im österreichischen Waldviertel durch, doch dort verschwindet dann ein Mitglied nach dem anderen, die verbliebenen werden zusehends entnervt, die Ausgesetztheit in der Natur bringt auch die Psyche der jungen Leute in Bedrängnis.

Ich will hier nicht verraten, wie es ausgeht.

Toller Roman jedenfalls!

Buchdaten:

Ursula Poznanski: Saeculum.

Thriller.

Loewe-Verlag, Bindlach, 2011.

492 Seiten.

Das Foto (© W. Krisai) entstand im Frühling 2012 bei der Lesung der Autorin im Gymnasium Perchtoldsdorf, wo sie 1986 maturierte.

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Eingeordnet unter Jugendliteratur

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