Pluhar, Erika: Als gehörte eins zum anderen.

Robert Berény: Bildnis des Komponisten Leo Weiner, 1911; Bleistiftskizze.

Robert Berény: Bildnis des Komponisten Leo Weiner, 1911; Bleistiftskizze.

Die Geschichte besteht aus dem Rückblick einer Burg-Schauspielerin auf eine heftige Liebesgeschichte zu einem südländischen Mann (dessen Nationalität man nicht erfährt und auch nicht erschließen kann, denn seine Frau heißt Marie, seine Muttersprache ist der Schauspielerin aber überhaupt nicht verständlich, es kann also kein Spanier, Portugiese oder Italiener sein, vielleicht einer vom Balkan oder Griechenland, weniger wahrscheinlich ist eine außereuropäische Herkunft), den sie in Wien in ihrem Stammlokal kennenlernt.

Kurz diese Liebeshandlung: Der Mann gewinnt die Frau für sich, weil er sich besonders gut in deren Burn-out-Situation einfühlen kann und mit wenigen Worten deren unglückliches Lebensgefühl zum Ausdruck bringt: „Du bist klein“, du bist „schattig“, usw. Dabei schreitet er rasch in der Annäherung fort, es kommt bald zur ersten gemeinsamen Nacht, zunächst im Wirtshaus, dann in der unordentlichen Wohnung des Mannes (wo die Frau einen Damenbademantel hängen sieht – das ist einer der Regiefehler des Romans, denn die Gattin scheint ja nie in Wien zu sein, sondern eine ganz auf ihre Heimat beschränkte Rolle zu spielen, sie kommt in der Geschichte auch kaum vor), ein paar Tage auch in der Wohnung der Frau. Doch unvermittelt sagt ihr der Mann beim Abschied, er müsse jetzt für einige Monate weg. Die Frau fällt aus allen Wolken. Einige Zeit später ruft der Mann an und lädt sie ein, zu ihm in ein Hotel zu kommen in einem tropischen Land an Meer (so scheint’s, es wird nämlich nirgends gesagt, welches Land es ist. Griechenland? Türkei? Thailand?). Tatsächlich fliegt die Frau hin, es gibt ein stürmisches Wiedersehen im abgelegenen Hotel, wo man den Mann sehr gut kennt und sich über den Damenbesuch überhaupt nicht wundert. Letzte Szene: Die beiden kutschieren mit dem Auto der Hotelbesitzerin an den Strand, die Frau geht ins Wasser, der Mann bleibt im Schatten einer Laube liegen. – Auf der dann folgenden letzten Seite erfährt man, die beiden hätten sich ein Jahr später in diesem Hotel nur noch gestritten und dann getrennt, die Frau habe die Schauspielerei aufgegeben.

In diese Liebeshandlung, die die Frau in Ich-Form schreibt und in der sie den Mann immer mit „du“ anredet – außer an einer einzigen Stelle, wo sie in die Er-Form verfällt und das sofort selbst kommentiert – in diese Liebeshandlung ist eine zweite Handlung hineingeschnitten: Da erzählt ein auktorialer oder eher personaler Erzähler (eigentlich wohl eine Erzählerin) über die aktuelle Schreibarbeit der Frau an ihrer Liebesgeschichte, wobei er die Gedanken der Frau in Ich-Form wiedergibt. Das ist also eine ganz nette Art, die Möglichkeiten der Erzählhaltungen auszuprobieren.

Man erfährt in dieser zweiten Ebene allerdings nicht viel, denn es werden nur die jeweiligen Befindlichkeiten der Frau, die oft bis in den nächsten Morgen hinein an ihrer Geschichte schreibt und dann entsprechend k.o. ist, beschrieben. Die letzten Seiten werden dann von diesem Strang eingenommen und sie würgen die Liebesgeschichte ruckzuck ab, das ist ziemlich seltsam. Das amouröse Crescendo, das in der Liebeshandlung bis dahin aufgebaut wird, ist der Autorin hier plötzlich egal, und wie ein Dirigent bei einer Probe, der mitten im Stück abwinkt, haut sie ihre Liebeshandlung zusammen und macht Schluss. Ist Pluhar da die Puste ausgegangen? Eine „innere Notwendigkeit“ zu diesem Blitzschluss sehe ich in dem Buch jedenfalls nicht.

Das Buch ist leider sehr wenig „welthaltig“, über die Tätigkeit als Schauspielerin erfährt man wenig bis nichts, über private Hintergründe auch nichts, über Wien auch nichts, der Text dreht sich manisch einzig und allein um die weltabgehobene Liebe zu diesem Mann, über den man natürlich auch nicht viel erfährt.

Buchdaten:

Pluhar, Erika: Als gehörte eins zum anderen.

Eine Geschichte.

München, dtv, 1999.

Erstausgabe 1991.

204 Seiten im Großdruck.

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