Über eBooks – Mail an Ursel Scheffler

Lesen am iPad - die Zukunft auch für Kinderbücher?

Lesen am iPad – die Zukunft auch für Kinderbücher?

Ursel Scheffler hat mir auf meine Mail mit Hinweis auf die Besprechung im Blog sogleich geantwortet und mich um meine Einschätzung ihrer eBooks gebeten. Ich habe u. a. Folgendes zurückgemailt:

Sehr geehrte Frau Scheffler!

Zu Ihrer Bitte, mir Ihre eBooks anzusehen: Ich habe das natürlich sofort und gerne gemacht, denn die eBooks interessieren mich persönlich sehr, weil man da gerade die „Geburt“ eines neuen Mediums miterleben kann. Auch im Schulunterricht thematisiere ich eBooks und alles, was dazugehört, seit nunmehr zwei Jahren – und sehe, wie groß die Hemmschwellen auch bei manchen bibliomanisch veranlagten Jugendlichen noch sind. Bei Kindern, an die sich Ihre Bücher wenden, scheint mir (nach Kindern aus dem Bekanntenkreis, die ganz selbstverständlich mit dem iPad umgehen) das ein geringeres Problem zu sein. Allerdings ist das iPad für kleinere Kinder in erster Linie ein Spielgerät.

Ich habe mir die beiden Gratisprobeexemplare (Das Märchenschloss, Der coole Anton) und die Leseprobe von „Emma und der halbe Hund“ mit Vorlesefunktion und vom ersten Band von Kommissar Kugelblitz heruntergeladen und angesehen.

Zum Märchenbuch und dem coolen Anton:
Auf dem iPad kann man nur die Doppelseiten im Querformat ansehen, dabei ist die Schrift schon sehr klein. Das passt weder für Kinder, die aus Kinderbüchern größere Schrift gewöhnt sind, noch für Erwachsene, die Vorlesen wollen. Andererseits ist klar, warum die pdf-Version mit Doppelseiten-Anzeige nötig ist: weil sonst die über zwei Seiten gehenden Illustrationen zerschnitten würden. Um schnell vorhandenes Material als eBook anzubieten, ist das ein noch erträglicher Kompromiss.

Zu „Emma“: Da gilt im Prinzip das gleiche wie oben. Zusätzlich gibt es die Vorlesefunktion, die für ganz junge „LeserInnen“ ein netter Mama-Ersatz ist. Die Vorlesestimme ist angenehm und gut verständlich, das Tempo passt, sehr gut auch die paar Sekunden Wartezeit vor dem Umblättern in der automatischen Blätterfunktion, damit man sich die Illustration noch schnell ansehen kann. Für LeseanfängerInnen ist die Hervorhebung der gerade vorgelesenen Wörter gut, die Schrift aber wieder zu klein. Die Bedienung der Funktionen scheint mir kein Problem zu sein. – Die Geschichte finde ich überaus lieb, erinnert mich an die Schulwege einst mit meinen Söhnen, wo wir auch bei jedem Hund stehenbleiben mussten.

Zu „Kugelblitz“: Das epub-Format erlaubt individuelle Einstellungen, das ist besser als das pdf, was den Text betrifft. Die Illustrationen sind am iPad groß genug, da sie ja aus einem Original stammen, das sogar minimal kleiner sein wird als der iPad-Bildschirm. Die interaktiven Angebote mit den beiden Apps habe ich nicht ausprobiert, ich halte sie aber prinzipiell für attraktiv und dem Medium gemäß. In dieser Richtung, denke ich, tun sich noch tolle Möglichkeiten bei eBooks auf, vor allem, wenn seitens der AutorInnen und Verlage ein Buch von vornherein als eBook konzipiert ist.

Ih habe die Bücher nur am iPad ausprobiert. Wie sie sich auf einem iPad mini oder gar auf einem iPhone, iPod touch oder anderem Smartphone lesen lassen, wäre eine interessante Frage. Ein Smartphone hat jede SchülerIn, ein iPad noch nicht. (Ich habe jüngst ein Nibelungen-Theaterstück für eine Sek-II-Klasse geschrieben, das viele auf ihrem Smartphone lesen, statt es sich ausgedruckt zu haben.) Das Smartphone als Lese-Gerät hat aber viele Vorteile: immer dabei, Lieblingsgerät jedes modernen jungen Menschen, die Bedienung wird 100% beherrscht, usw.
Das epub-Buch wird sich wohl ganz bequem darauf lesen lassen, die pdf-Bücher aber nicht, die sind aber auf so junge LeserInnen ausgerichtet, die großteils wohl noch keine iPhones besitzen.

Interessant ist, dass es im iBook-Store downloadbare Leseproben gibt, bei Thalia aber nicht. Amazon und andere eBook-Anbieter habe ich nicht ausprobiert. Leseproben halte ich für sehr wichtig, sie ersetzen beim Durchstöbern eines Online-Bookshops die Möglichkeit des Hineinblätterns. Unverständlich, warum Thalia das nicht implementiert hat.

Ein Aspekt bei Kinder-eBooks gegenüber den -pBooks (diesen Begriff habe ich zur Unterscheidung in meinen Klassen spaßeshalber eingeführt) ist: Es hat sich noch keine Geschenk-Kultur etabliert, fürchte ich. Dabei hat ein geschenktes eBook den Vorteil, dass es ohne Versandaufwand auch weit entfernt wohnenden Kindern geschenkt werden kann. In einer Begleit-Mail kann man ein paar nette Zeilen schreiben, aber ins Buch kann man keine Widmung schreiben. Das ließe sich aber vermutlich leicht implementieren und wäre dann eine schöne Sache. Höchst ärgerlich ist allerdings, dass man eBooks derzeit m. W. noch nicht unkompliziert weiterschenken oder verleihen kann, weil man ja nur selbst die Lese-Lizenz hat, nicht aber die/der Beschenkte. Ich habe es allerdings noch nicht ausprobiert. Muss ich gleich einmal ein gelesenes eBook einem Freund leihen;-)

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Eingeordnet unter Bücher, Jugendliteratur

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