Handkeausstellung Theatermuseum

Wolfgang Krisai: Skizze des von der Decke hängenden Einbaums

Wolfgang Krisai: Skizze des von der Decke hängenden Einbaums

Ein echter Einbaum in einer Ausstellung, der von der Decke hängt. Das gibt es in der neuen Ausstellung zu „Peter Handke und das Theater“ im Theatermuseum Wien. Es geht um eine Auswahl von Handkes Stücken, beginnend mit der „Publikumsbeschimpfung“ und endend mit „Immer noch Sturm“. Auf gewohnt originelle Weise sind Manuskripte, Fotos, Dokumente und Modelle präsentiert, und natürlich gibt es zu jedem Stück mindestens einen Video-Ausschnitt. Angenehm dabei, dass die Videos nicht allzu lang sind und man daher nicht durch das Zuschauen ungebührlich lange aufgehalten wird, trotzdem aber einen guten Eindruck von den Stücken bekommt. All das ist auf Texttafeln, die sich gut lesen lassen, erhellend erläutert.

Mir hat die Ausstellung bewusst gemacht, wie wenig ich Handkes Stücke kenne, und jetzt werde ich mit noch größerer Lust demnächst einiges lesen, was ich noch nicht gelesen habe, etwa „Das Mündel will der Vormund sein“, „Der Ritt über den Bodensee“ oder – zweiter Anlauf – doch noch „Immer noch Sturm“, das sich mir beim ersten Versuch vor einigen Woche ja nicht erschlossen hat. Die Ausstellung aber bot Einstiegshinweise.

Auch die Serbien-Thematik kommt vor, vor allem in einem Videodokument von einer Podiumsdiskussion im Burgtheater, wo Handke gegen einen Journalisten ausfällig wurde. Das ist ja eine Eigenheit Handkes, dass er in sanftestem Tonfall jemanden ein „Arschloch“ nennen kann. Der Einbaum, in dem ein alter 16mm-Filmprojektor periodisch losrattert und – scheinbar – einen Filmausschnitt an die Wand projiziert (in Wirklichkeit macht das natürlich ein Beamer), gehört zum Serbien-Thema, nämlich zu dem Stück „Die Fahrt im Einbaum oder das Stück zum Film vom Krieg“.

Wolfgang Krisai: Skizze nach dem Modell von Frederick Kieslers "Universal Theatre"

Wolfgang Krisai: Skizze nach dem Modell von Frederick Kieslers „Universal Theatre“

Neben der Handke-Ausstellung läuft auch noch die Frederick-Kiesler-Ausstellung, die diesen interessanten Avantgarde-Theaterarchitekten präsentiert, der von 1924 bis 1965 revolutionäre Theaterkonzepte von Gebäuden über Ausstellungsarchitektur und Bühnenbilder bis zu einzelnen Requisiten entwickelte. Nicht alles wurde realisiert, vor allem nicht im Bereich der Architektur. Die Ausstellung ist interessant, aber bei weitem nicht so aufschlussreich mit Texttafeln versehen wie die Handke-Ausstellung.

Für die Handke-Ausstellung sollte man sich warm anziehen, da die Leihgeber dem Museum aus konservatorischen Gründen eine sehr kühle Raumtemperatur vorgeschrieben haben. Ich jedenfalls holte mir nach einer Stunde die Winterjacke aus dem Garderobenkästchen.

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