Michael Freitag: Max Slevogt

Wolfgang Krisai: Max Slevogt skizziert, ca. 1930; neben ihm sein Sohn Wolfgang. Skizze nach historischem Foto.Endlich gibt es einmal eine umfassende Slevogt-Ausstellung, und zwar im Landesmuseum Mainz: „Max Slevogt. Neue Wege des Impressionismus“, vom 12. Mai bis 4. Oktober 2014. Wenn das kein Grund ist, endlich nach Mainz zu fahren!

Als Vorbereitung lese ich jetzt Slevogt-Bücher aus meiner Bibliothek. Es ist schön, wenn man, sobald einen etwas zu interessieren beginnt, einfach ans Regal treten und passende Bände herausziehen kann.

Diesen dünnen Band, der Kurz vor dem Ende der DDR in Ostberlin erschienen ist, las ich nun als ersten. Er fasst Slevogts Leben und künstlerischen Werdegang kurz zusammen, eröffnet sozusagen paradigmatisch mit dem berühmten Portrait des Sängers „Francisco d’Andrade als Don Juan“ („Der weiße d’Andrade“) von 1902.

Berühmt ist Slevogt für seine impressionistischen Landschaften und seine Rollenportraits von Schauspielerinnen und Schauspielern. Was ich nicht wusste: dass Slevogt durchaus auch eine „dunkle Seite“ hatte, die er künstlerisch in seinen Grafiken auslebte, wo es ziemlich brutal und grausig hergehen kann.

Aus Kriegsbegeisterung setzte er 1914 alles daran, als Kriegsmaler an die Front gehen zu können, gab das jedoch schon nach drei Wochen völlig desillusioniert wieder auf (erstaunlich, dass so eine Kehrtwendung seitens der Obrigkeit offenbar akzeptiert wurde) und widmete sich fortan wieder seiner eher unpolitischen Arbeit. Allerdings zeichnete er daneben auch für ein Anti-Kriegs-Blatt Illustrationen, das von Paul Cassirer, dem Galeristen, herausgegeben wurde.

Slevogt war gebürtiger Bayer, vom Habitus her überhaupt ein bairisches „Urviech“, er ging in Würzburg in die Schule, studierte dann in München Kunst und eröffnete dort auch ein Atelier. Es wollte ihm in München aber nicht recht gefallen, sodass er schließlich 1901 nach Berlin übersiedelte, wo er größeren Erfolg hatte.

Im Rheinland etwas südwestlich von Mannheim hatte er ein Sommerquartier, den Hof „Neukastel“, heute Slevogt-Hof (und derzeit offenbar nicht zugänglich). Dieses Haus baute er aus und bemalte die Wände des großen Musikzimmers mit Wandgemälden mit musikalischer Thematik, den Bibliotheksraum versah er mit einem Deckengemälde.

Eines seiner letzten großen Werke war ein gewaltiges Wandbild (Kreuzigung – zum Teil mit Figuren in der Kleidung des 20. Jahrhunderts) an der Altarwand der Friedenskirche in Ludwigshafen, die jedoch im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Slevogt starb 1932 in Neukastel, wo er auch begraben ist.

Der Band enthält nach der kurzen Einführung einen Querschnitt durch das Gesamtwerk Slevogts, von der Maturafeier-Einladungskarte, deren Motiv er zeichnete, bis zum Ludwigshafener Wandbild, das zum Glück wenigstens als Foto überliefert ist. Auch in den Neukasteler Musiksaal erhält man Einblick.

Michael Freitag: Max Slevogt. Mit achtzehn farbigen Tafeln und zweiunfünfzig einfarbigen Abbildungen. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin1988. Reihe: Welt der Kunst.

Bild: Wolfgang Krisai: Max Slevogt skizziert, im Hintergrund sein Sohn Wolfgang. Zeichnung nach einem Foto von 1930.

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7 Kommentare

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7 Antworten zu “Michael Freitag: Max Slevogt

  1. In Mainz gibt es noch jede Menge besondere Erlebenssachen, eine meiner Lieblingsstädte!
    Und wenn ich in die Pfalz fahre, sehe ich zu gern schon von Weitem die Villa Ludwigshöhe:
    http://schloss-villa-ludwigshoehe.de/index.php?id=41892

    Abendgruß aus Rheinhessen

    • Liebe Wildgans! Danke für den Hinweis! Der Stadt Mainz werde ich mit meinem kurzen Besuch nicht gerecht werden, aber neben dem Dom steht auch die Villa Ludwigshöhe auf der Liste, wo eine Ausstellung mit Slevogt-Bezug zu sehen und das Slevogt-Gut nicht weit ist.
      lg, buchwolf

  2. baddner

    … und am 11.08. kommt Patti Smith auf die Zitadelle!

    • Das wäre ein Konzert, das auch dem Kunstfan etwas sagt, da Patti Smith den Schweizer Fotorealisten Franz Gertsch inspiriert hat, sodass er sogar mehrere Portraits von ihr gemalt hat.
      Danke für den Hinweis! lg, buchwolf

  3. In Dresden wird zur Zeit eine Ausstellung über die Ägyptenreisen von Slevogt und Klee gezeigt: http://www.skd.museum/de/sonderausstellungen/nach-aegypten-die-reisen-von-max-slevogt-und-paul-klee/index.html Da wir die Kataloge dazu bei uns im Verlag im Vertrieb haben, hatte ich auch einen schönen Anlass, um mich mal etwas genauer mit Slevogt zu beschäftigen. Die Bilder seiner Ägyptenreise kannte ich ja schon lange, aber ich hatte nie so richtig Zugang zu ihnen bekommen, da sie in Dresden zwischen den Romantikern hingen. Jetzt, nachdem ich mich mit den Hintergründen dazu etwas beschäftigt habe, bin ich auf Slevogt richtig neugierig geworden. Die Klee/Slevogt-Ausstellung läuft dieses Jahr übrigens auch noch in Düsseldorf. Ich bedaure sehr, dass Mainz nicht bei mir in der Nähe liegt. Ich wünsche Dir viele schöne Eindrücke in der Ausstellung. Viele Grüße, Claudia

    • Liebe Claudia! Das ist aber interessant! Man sollte also eigentlich auch nach Dresden fahren (das sowieso!), oder nach Düsseldorf (wenn nicht wegen Klee/Slevogt, so zumndest wegen Heine, etc.), da fragt man sich, warum man nicht permanent Urlaub oder den Beruf „Kulturreisender“ hat!
      lg, buchwolf

      • Ja, irgendwas läuft da verkehrt… 😉 Wie so viele hoffe ich darauf, alle bisher versäumten Kulturreisen mal als Rentnerin nachholen zu können, aber das dauert noch etwas. Liebe Grüße, Claudia

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