Andrea de Carlo: Durante

Wolfgang Krisai: Rossebändiger. Statue im Park zwischen dem KHM und NHM Wien. Gouache, 2007.

Dieses eBook habe ich mir 2013 gekauft und in drei Tagen mit größtem Vergnügen gelesen. Die folgende Rezension stammt von damals:

Pferdeflüsterer und Frauenversteher

Es wird von Pietro, einem mit seiner steirischen Ehefrau Astrid in einem Dort in den Marken lebenden Alternativen, erzählt. Mit Astrid betreibt er eine kleine, ökologisch orientierte Weberei. Vor deren Tor steigt eines Tages ein Mann aus seinem Auto, der in null Komma nichts wie ein alter Bekannter von Astrid durch die Weberei geführt wird, sich aus der Obstschale bedient und schon fast zum Essen geblieben wäre. Er müsse aber weiter, weil er bei einem benachbarten Bauernhof den Reitstallbetrieb übernehmen soll.

Dieser Nachbarsbauer weiß zwar davon nichts, kann sich der Überzeugungskraft des Mannes, der Durante heißt, jedoch nicht entziehen und lässt ihn gewähren. Durante hat einen tollen Hengst, mit dem er sich sozusagen auf Pferdeflüsterer-Weise versteht. Er ist aber nicht nur Pferdeflüsterer, sondern auch Frauenversteher, sodass er binnen weniger Wochen eine Reihe von Frauen begeistert und deren Ehemänner in die Eifersucht treibt. Neben Astrid, der Bäurin und einer Aussteigersgattin ist das vor allem die zu Besuch gekommene Schwester Astrids, Ingrid, die bei Durante eine Reitstunde nimmt, dabei vom Pferd fällt, ins Krankenhaus muss, aber danach von Durante kavaliersmäßig umschwärmt wird und ihm total verfällt. Pietro macht das rasend, da er heimlich in Ingrid verliebt ist, die er leider erst bei der Hochzeit mit Astrid kennen gelernt hat. Es kommt zu einer wilden Eifersuchtsszene zwischen Astrid, Ingrid und Pietro, woraufhin Ingrid nach Graz zurückfährt. Astrid fährt zu Durante und wird von ihm ins Krankenhaus mitgenommen, wo er einem weiteren Nachbarn, dem im Koma liegenden Tom, einem achtzigjährigen Engländer, die Hände auflegt. Am Tag darauf wacht er aus dem Koma auf, und Durante gilt plötzlich als Wunderheiler.

Aber Durante ist verschwunden, weil der Bauer ihn vor die Tür gesetzt hat. Alle Frauen sind am Boden zerstört, man sucht ihn überall, erfolglos.

Als nun Astrid im Sommer wie üblich vierzehn Tage zu Ingrid nach Graz gefahren ist, steht Durante wieder vor Pietros Tür. Er bringt diesen so weit, ihn nach Genua zu chauffieren, bevor er Astrid nach Graz nachfährt. Unterwegs werden sie von Polizisten aufgehalten und für Verbrecher gehalten (weil Durante ein japanisches Schwert mitführt), doch Durante kann die Polizisten hypnotisieren und unbehelligt mit Pietro davonfahren.

Wunderheilung

In Genua quartieren sie sich bei einer von Durantes ehemaligen „Verhältnissen“ und dem gemeinsamen Sohn ein, der gerade in der Pubertät und entsprechend anstrengend ist. Dass Durante dem Buben das Schwert schenkt, verhindert die Mutter, sie kann jedoch nichts machen, als Durante ein Schlagzeug heranschafft. Dabei hat er mit Pietros Lieferwagen einen Unfall, sorgt aber als Ersatz für einen alten, protzigen Mercedes. Mit diesem fahren die beiden dann – gegen Pietros schwächer werdenden Widerstand – an den Zürichsee, wo Durante eine weitere ehemalige Liebe aufsucht, Nicky. Bei dieser blitzt er jedoch mit seinem Quartierwunsch ab, muss mit Pietro in einem Heustadel schlafen, und hat fast ein Tief, als ihm plötzlich wieder ein medizinisches Wunder gelingt: Bei einer leichtsinnigen Herumraserei mit dem im Rollstuhl sitzenden Vater Nickys, der durch einen Schlaganfall schwer behindert ist, stürzt der Opa in den See, wird sofort wieder herausgefischt – und lacht erstmals seit seinem Schlaganfall wieder. Nun scheint das Eis gebrochen, man isst zusammen fröhlich zu Abend – doch am nächsten Morgen ist Durante weg. Den Mercedes hat er Pietro überlassen, samt einem kleinen Abschiedsbrief: Er habe es im Gespür, wann er von einem Ort wieder aufbrechen müsse, und hier sei es wieder so weit.

Pietro, der sich schon mit dem einstigen Feind angefreundet hatte, ist enttäuscht, sieht aber ein, dass auch für ihn die Zeit gekommen ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und nicht nur Durante hinterherzudackeln oder sich von den eintönigen Verhältnissen zu Hause knechten zu lassen. Ende.

Das Ganze ist in de Carlos typischem flotten, zum Teil überaus lustigen Stil geschrieben und war auch auf Italienisch kein Problem zum Lesen.

Andrea de Carlo: Durante. Romanzo. eBook.

Die deutsche Ausgabe erschien 2013 bei Diogenes unter dem Titel „Als Durante kam“, detebe, 480 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Rossebändiger. Statue im Park zwischen dem KHM und NHM Wien. Gouache, 2007.

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Eingeordnet unter Italienische Literatur

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