Tyra Teodora Tronstad: Vera und das Dorf der Wölfe

Wolfgang Krisai: Dämmerung im Waldviertel. Aquarell. Ca. 1988.Auf das Jugendbuch „Vera und das Dorf der Wölfe“ bin ich zufällig gestoßen – in der „Virtuellen Bücherei“ der Städtischen Büchereien Wien.

Ich liebe Bücher, bei denen sich Spannung ganz unauffällig entwickelt, während nach außen hin alles ziemlich harmlos aussieht.

Pro und contra Wölfe

Die dreizehnjährige Vera zieht mit ihrem Vater von Oslo in ein abgelegenes norwegisches Dorf irgendwo im Wald. In diesem Rønset will der Vater, ein Wissenschaftler, ein Buch über Wölfe schreiben, das den Menschen die unnötige Angst vor diesen Tieren nehmen soll.

Was der Vater nicht wusste, als er ziemlich spontan den Mietvertrag unterschrieb: In Rønset sind Wölfe aufgetaucht, und die einheimischen Schafbauern fürchten nun, dass ihre Tiere in Gefahr sind.

Als die beiden bei ihrem Häuschen ankommen, stellen sie fest, dass dort keine Möbel sind. Doch der Vermieter, Peter Høgda, bietet sich an, für vorläufig zur Verfügung gestellt Möbel zu sorgen. Und schon wenige Stunden später kommt er mit einem Lieferwagen voller Möbel an, die Leute aus dem Dorf den Neuankömmlingen leihen. Auch seine Schwester, die Reporterin des Lokalblattes, hat er mit, die mit dem Vater, der ein Wolfsbuch schreiben will, ein Interview macht. Der Vater, reichlich weltfremder Wissenschaftler, läuft ihr ins offene Messer. Denn am nächsten Tag prangt auf der Titelseite des Lokalblatts ein Foto eines gerissenen Schafs und daneben ein Bild des Vaters, der arglos in die Kamera lächelt. Mehr braucht es nicht. Schon ist man Persona non grata.

Der Vater nimmt das aber in seinem Schaffensrausch kaum wahr, während Vera sehr wohl mitbekommt, wie die Dorfbevölkerung zu ihrem Vater steht: hasserfüllt.

Der nette Nachbar mit seinem Hund

Nur der Nachbar Brando ist eine Ausnahme. Der alte Mann hat vor kurzem seine Frau verloren, die „etwas speziell“ war, d. h. über übersinnliche Fähigkeiten verfügte. Seit sie nicht mehr ist, verlottert Brando zusehends. Aber er ist ein netter Kerl, und sein Hund Sappo adoptiert Vera augenblicklich als sein Frauerl.

Die geheimnisvolle Haube

Vera hat in der Kommode ein Packerl entdeckt, Aufschrift: „Für Vera. Für den Fall, dass du das hier einmal brauchst.“ Inhalt: eine Strickhaube.

Als sie sie aufsetzt, kann Vera plötzlich Sappos Gedanken lesen und sogar steuern. Zunächst braucht sie einige Zeit, um zu verstehen, was mit ihr los ist. Später ist sie in der Lage, die Kraft der Haube gezielt einzusetzen.

Ein fieser Typ

Hinter der Haube ist jemand her: Brandos Sohn Birger, ein sinistrer Typ, der entweder alkoholisiert umhertorkelt oder, wenn nüchtern, einer undefinierbaren „Arbeit“ nachgeht. Eines Tages steht er vor Vera und fordert die Haube von ihr. Sie gibt sie ihm nicht, sondern ergreift die Flucht.

In einer Nacht werden zwei Schafe in Brandos umzäunter Weide gerissen. Jetzt ist Feuer am Dach.

Geheime Jagdgesellschaft

Vera bekommt gemeinsam mit ihrem neuen Freund, dem dreizehnjährigen Außenseiter Gustav, heraus, dass einige Männer sich zusammengetan haben, um die Wölfe zu erschießen, obwohl diese streng geschützt sind. Birger ist unter ihnen, und in einem kleinen Häuschen neben Brandos Grundstück befindet sich das geheime Waffenversteck.

Gustav und Vera wollen den Jägern das Handwerk legen, begeben sich in Gefahr und hoffen, mit Hilfe der Haube die Wölfe zum Verlassen der Gegend bewegen zu können.

Doch als Vera von Birger in den eiskalten Schuppen gesperrt wird, muss sie sogar – mittels der Haube – die Wölfe anlocken, um befreit zu werden. Das geht nicht gut aus…

Tyra Teodora Tronstad: Vera und das Dorf der Wölfe. Aus dem Norwegischen von Birgitt Kollmann. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2014. Reihe Hanser. 200 Seiten. Originalausgabe: „Hundetanker“, Oslo 2012.

Bild: Wolfgang Krisai: Dämmerung im Waldviertel. Aquarell. Ca. 1988.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Jugendliteratur

Eine Antwort zu “Tyra Teodora Tronstad: Vera und das Dorf der Wölfe

  1. Theresia

    Ich finde das buch toll dieser hauch mystery und die realität spiegeln sich hier.und es ist toll das jemand auch mal was für wölfe schreibt und nicht immer dagegen

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