Archiv der Kategorie: Sachbuch

Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich. OÖ. Landesausstellung 2018, Katalog

Wolfgang Krisai: Römische Stadt am Magdalensberg, ca. 30. n. Chr. , Bleistift, 1997.

Ausstellungen verlocken oft, sich mit einer Materie näher zu befassen. Man kauft den Katalog – und liest ihn dann nicht. Denn eigentlich hätte man ihn VOR dem Ausstellungsbesuch schon lesen sollen, dann hätte man mehr von der Ausstellung gehabt. 

Ausstellungskatalog schon vor dem Ausstellungsbesuch gelesen

Erstmals habe ich nun tatsächlich einen Katalog bereits vor dem Ausstellungsbesuch gelesen, nämlich den zur oberösterreichischen Landesausstellung 2018 „Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich“ in Enns/Lauriacum, Schlögen und Oberranna.

Interessantes Begleitbuch zur Ausstellung

Dieses Buch ist eigentlich kein Katalog, wie man ihn kennt: die erste Hälfte eine Ansammlung staubtrocken geschriebener wissenschaftlicher Artikel, die zweite eine mehr oder weniger gut kommentierte Reproduktionensammlung der Ausstellungsobjekte. Für die Landesausstellung ist man einen bewusst anderen, an der Besucherin bzw. Leserin, am Besucher bzw. Leser orientierten Weg gegangen: Man produzierte ein interessantes, gut bebildertes Sachbuch für interessierte Laien, das Wissenschaft für NichtwissenschaftlerInnen erschließt. (Übrigens ist das Buch auch gar nicht so teuer wie sonst Kataloge von Ausstellungen dieses Kalibers: 18.- €.)

Moderne Archäologie

Was wird erschlossen:

Wie die moderne Archäologie überhaupt zu Ergebnissen kommt, nicht nur durch Grabungen, sondern auch durch verschiedene Formen nichtinvasiver Forschung wie Geomagnetik- und Georadar-Aufnahmen.

Überblicksmäßig erfährt man von der Herrschaft der Römer in Noricum.

Der Limes wird vorgestellt. 2018 hat man bei der UNESCO beantragt, die in Österreich gelegenen Teile des Limes als Weltkulturerbe aufzunehmen.  Das brachte auch der Archäologie großen Schwung, denn die Funde am Limes müssen ordentlich erschlossen sein, damit so ein Antrag fruchtet.

Enns = Lauriacum

In Lauriacum (heute: Enns) war in einem großen Kastell die Legio II. Italica stationiert. Rund um das Kastell gab es zivile Siedlungen und Gräberfelder, wie das auch in Carnuntum der Fall war.

Der Aufbau des Kastells wird genau dargestellt, das Leben darin und rundherum, Essen, Trinken, Baden (für die Römer besonders wichtig), die Haustiere, die Münzfunde, die Grabstelen (häufig sehr aussagekräftig), die Wandmalereien, deren Reste entdeckt wurden, die verschiedenen Handwerke, dabei vor allem die Ziegelhersteller; die Batterie von neun Kalkbrennöfen in unmittelbarer Lagernähe, von denen einer musterhaft ausgegraben wurde.

Schlüsse aus Grabfunden ziehen

Interessant auch, welche Schlüsse man aus Grabfunden ziehen kann und wie in einigen Fällen sogar Enthauptungen feststellbar sind. Ja, sogar aus Resten verbrannter Leichname kann man noch allerlei erschließen.

Relativ wenig erfährt man über die Religion, und das, obwohl in Lauriacum der Heilige Florian sein Martyrium hatte, worauf natürlich schon ausführlich eingegangen wird.

Genau erfahren wir, wie man heutzutage aus Schädelfunden das Aussehen der lebenden Menschen rekonstruieren kann, was am Beispiel einer Frau und eines Mannes gemacht wurde.

(In diesem Kapitel wird von einem Museum in Holland, „Hildes Haus“, berichtet, wo das Museumskonzept auf solchen Rekonstruktionen basiert. Das klingt sehr interessant.)

Schlögen und Oberranna: kleinere Fundstätten

Nach dem ausführlicheren Teil über Lauriacum behandelt das Buch die Fundstätten in Schlögen und Oberranna.

In Schlögen an der berühmten Donauschlinge befand sich ein kleineres römisches Kastell, das ziemlich genau erschlossen und ergraben werden konnte. Daneben gibt es zivile Bauten, wovon vor allem ein kleines römisches Badehaus, eine Mini-Therme gewissermaßen, im Mittelpunkt der jüngsten Forschungen stand. Die Ausgrabungsstätte wurde jetzt mit einem sogenannten Schutzbau überdacht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Eine römische „Burg“

Das gleiche gilt für die überraschend gut erhaltenen Reste einer römischen „Burg“ mit vier dicken, runden Ecktürmen, dem „Burgus“ von Oberranna. Teile dieses Burgus waren jahrhundertelang der Keller eines Wirtshauses, das jedoch im 20. Jahrhundert zusperren musste und verfiel. Die Gemeinde Engelhartszell, auf deren Gebiet Oberranna liegt, konnte das Grundstück erwerben, das desolate Wirtshaus wurde abgerissen, der römische Unterbau ausgegraben und ebenfalls mit einem Schutzbau überdeckt. 

Blick aufs Umland

Das Buch blickt auch über die „Grenzen“ der Landesausstellung hinaus, indem es auf weitere Fundstätten in Österreich und Südbayern kurz eingeht: die Städte Iuvavum/Salzburg, Ovilava/Wels und Cetium/St. Pölten; auf die zahlreichen Vici (Dörfer) und die ebenso zahlreichen Villae Rusticae (Gutshöfe). Das Leben in römischen Bauernhöfen veranschaulicht übrigens ein ebenfalls erwähntes neues Römermuseum in Altheim.

Den Abschluss des Bandes bildet ein kursorischer Überblick über das heute noch lebendige römische „Erbe“, sei es in der Sprache, in der Architektur, der Literatur, der Badekultur („Thermen“ erfreuen sich heute größter Beliebtheit) oder dem Weinbau.

Die Abbildungen

Während die Texte der Kapitel sehr gelungen und leserfreundlich sind, hat das Buch eine schwache Seite: die Texte zu den Abbildungen. Diese sind manchmal zu knapp und zu ungenau, besonders dann, wenn etwa auf Landkarten verschiedenfärbige Grundrisse eingezeichnet sind – und man die Bedeutung der Farben nur erahnen kann. In einigen Karten ist zumindest die Kartenlegende des Originals mit abgebildet, sodass man mit einer Lupe lesen könnte, was da steht.

Sehr gut hingegen, dass abgebildete Inschriften prinzipiell mit einer die häufigen Abkürzungen vervollständigenden Umschrift und in deutscher Übersetzung versehen sind. Lateinkenntnisse braucht man also keine, obwohl mich die spannende Darstellung der römischen Welt bedauern lässt, dass ich im Lateinunterricht als Jugendlicher nicht besser aufgepasst habe…

Die Abbildungen selbst sind sehr interessant und instruktiv. Besonders anschaulich wird der Forschungsgegenstand durch die abgebildeten Computer-Rekonstruktionen des Bauwerke. Erhellend ist auch, dass immer wieder Fotos von den Grabungs- und sonstigen Forschungsarbeiten eingestreut sind.

Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich. OÖ. Landesausstellung 2018. Hrsg. v. Amt der OÖ. Landesreg., Direktion Kultur, Trauner Verlag, Linz, 2018. 263 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Römische Stadt am Magdalensberg, ca. 30. n. Chr. , Bleistift, 1997. Mit einem Bild von der Landesausstellung kann ich noch nicht aufwarten, ich war ja noch nicht dort, dafür habe ich mich selbst einmal als „Archäologe“ betätigt und mir zeichnerisch vorgestellt, wie die Ausgrabungsstätte am Kärntner Magdalensberg zur Römerzeit ausgesehen haben könnte.

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Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Begegnungen mit Syrern auf der Flucht

Aus: Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition Moderne, Zürich.

Ein außergewöhnliches Buch! Eines, das man zu Pflichtlektüre für alle machen will, damit jede/r die Situation syrischer Flüchtlinge besser versteht.

Bekanntschaft mit Betroffenen

Am besten kann man Verständnis wecken, wenn man eine Bekanntschaft mit Betroffenen vermitteln kann. Und genau das macht diese „gezeichnete Reportage“ über syrische Flüchtlinge. Der deutsch Reportagenzeichner (ja, so etwas gibt es!) Kugler fuhr im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslager und sprach dort mit Flüchtlingen und Betreuern und macht Fotos, nach denen er später seine Zeichnungen anfertigte.

Gezeichnete Reportage

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Das Buch ist keine Graphic Novel im strengen Sinne, denn es enthält keine mittels Panels erzählten Geschichten, sondern jede Doppelseite ist ein großes Panel, in dem Bild und Text bunt zusammengewürfelt sind. Damit man die Orientierung nicht verliert, geben Nummern, Pfeile und Zeichen die Leserichtung an.

Die Bilder sind zu Teil wie durchsichtig, zum Teil richtig „ausgemalt“ (digital natürlich), zum Teil aber nur mit Farbflächen unterlegt. Das ergibt ein wunderbares Spiel von Farben und Formen.

Aus: Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition Moderne, Zürich.

Flüchtlinge im Irak, in Griechenland, Frankreich, England und Deutschland

Der erste, längste Teil, befasst sich mit EinwohnerInnen des Flüchtlingslagers Domiz nördlich von Mossul im kurdischen Teil des Iraks. Kugler stellt zuerst die Mitglieder des psychologischen Teams von „Medicins sans frontières“ (MSF) vor, danach widmet er sich den Flüchtlingen, zum Beispiel dem Imbissbudenbesitzer Muhamad, dem Fernsehtechniker Habib, der jungen Mutter Vian, den Hirten Muhamed und Muhamed, dem Sound-System-Verleiher Djwan. Die Lagerbewohner versuchen ja, obwohl sie unter Slum-ähnlichen Bedingungen wohnen, eine Art „normales Leben“ aufrecht zu erhalten, wo auch manchmal ein Fest gefeiert wird, wofür eine Soundanlage gemietet wird. Jeder aber trägt ein furchtbares Schicksal und erzählt von den Schrecken des Krieges, der Flucht und der Asylsuche. Das ist ergreifend.

Aus: Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags  Edition Moderne, Zürich.

Nach dem Irak kommt die griechische Insel Kos an die Reihe: mit dem Modedesigner Rezan oder dem Medizinstudenten Omar, der 17jährigen Schülerin Noura oder der jungen Mutter und Physikstudentin Amira.

Auch dem „Dschungel“ von Calais ist ein Kapitel gewidmet, eines, das uns die Jämmerlichkeit und Unmenschlichkeit unserer westlichen Flüchtlingspolitik besonders deutlich vor Augen führt.

Die beiden abschließenden Kapitel befassen sich mit Menschen, die schon Asyl und Unterkunft gefunden haben: eine Familie in Birmingham, die Anästesistin Dr. Waffa in London und eine Familie in Simmozheim im Schwarzwald, wo Olivier Kugler herstammt.

Ein Meisterwerk

Zwischen die großen Kapitel sind Informationsseiten gestellt, die über die heutige Situation in den jeweiligen Orten informieren.

Alles ist sehr eingängig geschrieben, man ist sozusagen mit dabei, wie es sich für eine Reportage gehört. Ein Meisterwerk.

Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition Moderne, Zürich.Olivier Kugler: Dem Krieg entronnen. Begegnungen mit Syrern auf der Flucht. Edition Moderne, Zürich, 2017. 80 Seiten. Durchgehend farbig illustriert.

Veröffentlichung der Bilder mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition Moderne, Zürich.

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Walter von Zur Westen: Exlibris

Exlibris des Hieronymus Baumgartner, gestochen von Bartel Beham, Abdruck von der Originalplatte (Kupferstich).

Von einer Kollegin bekam ich das mehr als hundert Jahre alte Buch „Exlibris“ von Walter von Zur Westen geschenkt. Es gibt einen Überblick über die Kultur des Exlibris, die praktisch gleichzeitig mit dem Buchdruck entstand und bis zum Erscheinen dieses Buches 1901 andauerte, wenn auch mit regionalen Unterschieden.

Exlibris Land für Land

Nach einer allgemeinen Einführung behandelt Zur Westen die einzelnen Länder chronologisch, natürlich mit Schwerpunkt auf Deutschland. Österreich wird stiefmütterlich behandelt.

Das Prunkstück

Ein Abzug von der Originalplatte des Exlibris des Hieronymus Baumgartner, gestochen von Bartel Beham im 16. Jahrhundert, ist das Prunkstück des Bandes.

Dass die Exlibris im Normalfall schwarzweiße Kupferstiche oder Holzschnitte waren, kommt der Drucktechnik des Buches sehr entgegen. Dennoch sind einige Farbabbildungen eingestreut.

Im Mittelalter gab es selten Besitzereinträge in Büchern, und wenn, dann handschriftlich.

Wappen, Allegorien, lesende Mädchen

Inhaltlich beliebt sind Exlibris mit dem Wappen des Besitzers, gelegentlich mit einem Porträt, häufig mit allegorischen Darstellungen. Im 18. und 19. Jh. sind auch lesende Mädchenfiguren mit leicht erotischen Einschlag sehr beliebt, was von Zur Westen naserümpfend zur Kenntnis bringt.

Ein Genuss zum Betrachten

Für mich war die Lektüre großteils ein Genuss, vor allem aber das Betrachten der schönen abgedruckten Beispiele. Und die Aufmachung dieser Velhagen & Klasing-Bände liebe ich sowieso.

Walter von Zur Westen: Exlibris (Bucheignerzeichen). Mit 6 Kunstbeilagen und 164 Abbildungen. Bielefeld und Leipzig, Verlag Velhagen & Klasing, 1901. Reihe: Sammlung Illustrierter Monographien 4. 103 Seiten.

Das Bild stammt diesmal nicht von mir, sondern ist eben jenes Prunkstück des Bandes: das Exlibris des Hieronymus Baumgartner, gestochen von Bartel Beham, Abdruck von der Originalplatte (Kupferstich).

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Schatzkammer des Wissens. 650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek

Wolfgang Krisai: Prunksaal der Österreichischen Nationalbiliothek. Tuschestift und Buntstift, 2015.

Die Österreichische Nationalbibliothek nimmt als ihr Gründungsjahr das Jahr 1368 an – als das Evangeliar des Johannes von Troppau fertiggestellt wurde (einen wirklichen Gründungsakt gibt es nämlich nicht). Aus diesem Anlass ist im Prunksaal heuer das ganze Jahr lang (vom 26. 1. 2018 bis 13. 1. 2019) die Ausstellung „Schatzkammer des Wissens. 650 Jahre Österreichische Nationalbiliothek“ zu sehen. Ich besuchte sie gleich in den ersten Tagen, kaufte den Ausstellungskatalog und las ihn innerhalb weniger Tage.

Essayistische Beleuchtung von allen Seiten

Eine Reihe von Essays beschreibt einerseits die Entwicklungsschritte der Nationalbibliothek von der Habsburgischen Büchersammlung über die Hofbibliothek bis zur Nationalbilbiothek von heute und der Zukunft, andererseits die verschiedenen Teilinstitutionen wie den Prunksaal, die Kartensammlung, die Papyrussammlung, die Plansprachen-Sammlung oder das Literaturmuseum (der zugehörige Essay hat aber mit dem Museum nichts zu tun, sondern behandelt nur einige Manuskripte von Musil, Doderer, Bachmann und Handke – in meinen Augen der am wenigsten informative Teil des Katalogs). Eigene Kapitel sind dem „Bibliotheksstück“ oder der Zensur gewidmet. Eines befasst sich mit der Bibliothek in und nach der NS-Zeit, wo an die 200000 Bücher und Sammlungsobjekte illegal in die Bibliothek gelangten, von denen bislang rund 50000 wieder an die Erben der damaligen Eigentümer restituiert wurden. Da damals die requirierten Bücher gleich lastwagenweise herangekarrt wurden, konnte und wollte man über die genaue Herkunft meist nicht Buch führen, sodass heute eine Restitution unmöglich ist.

Bedeutende Bibliothekare

Große Persönlichkeiten unter den Bibliothekaren waren:

der erste Bibliothekar Hugo Blotius (1533-1608), der 1575 zum Hofbibliothekar ernannt wurde und gleich neben den über dem damals noch vorhandenen Kreuzgang des Minoritenklosters untergebrachten Buchbeständen wohnte;

Gerard van Swieten und sein Sohn Gottfried in der Zeit Maria Theresias und der Aufklärung;

Josef Bick (1880-1952), der der bedeutendste österreichische Bibliothekar des 20. Jahrhunderts war und die NB von 1923-38 und 1945-49 leitete.

Platzmangel durch die Jahrhunderte

Durch die Jahrhunderte zogen sich die immer gleichen Probleme:

Platzmangel für die Bücher: Das beginnt mit Lächerlichkeiten wie der Tatsache, dass man zu Blotius’ Zeiten gar keinen separaten Eingang in die Bibliothek hatte, sondern entweder durchs Minoritenkloster oder die Privatwohnung des Direktors eintreten musste. Es setzt sich fort mit dem immer gleichen Problem jeder noch so zukunftsweisenden Erweiterung: schon wenige Jahrzehnte nach dem Bau des Prunksaals war dieser für die Bücher zu klein, genauso wie der moderne Tiefspeicher inzwischen auch schon voll ist.

Platzmangel für die Leser: Schon früh wurden die Bestände der Hofbibliothek auch der interessierten (zunächst nur männlichen) Öffentlichkeit zugänglich gemacht, aber es gab keine richtigen Lesesäle, sondern man musste sich mit ungeeigneten Räumlichkeiten behelfen, wo zu wenig Platz für die nötigen Tische war. Allmählich erkämpften sich die Direktoren größere Räume, wovon der Augustiner-Lesesaal der heute noch markanteste ist, wenn man von der gewaltigen Erweiterung in den 1960er-Jahren absieht, wo die NB in die Neue Hofburg „hineinwuchs“ mit den von Theiss, Jaksch & Jaksch adaptierten Räumen und der von Margret Gressenbauer-Scherer eigens designten Inneneinrichtung. Die ganz große Lösung war das nicht. Diese wäre ein völliger Bibliotheksneubau gewesen, wie ihn Werner Theiss entworfen hatte: ein radförmiger Gebäudekomplex mit einem Hochhaus in der Mitte, in dem in den oberen Stockwerken die Bücher gespeichert werden sollten, während in den Speichen die Lesesäle und im Rad selbst alle administrativen Räume untergebracht werden sollten. Das wäre eine Sehenswürdigkeit erster Güte geworden…

Wenig informativer Katalogteil

Seltsam uninformativ ist dann der eigentliche Katalogteil ausgefallen, der sich bescheiden „Anhang“ nennt und kaum mehr als eine Auflistung der Exponate ist. Das ist ärgerlich, denn zu vielen der Exponate hätte ich gerne eine ausführlichere Erläuterung und eine größere Abbildung gehabt.

Objekte des Monats

Eine Besonderheit der Ausstellung sind die „Objekte des Monats“. Diese Kostbarkeiten können im Original nicht während der ganzen einjährigen Ausstellungsdauer gezeigt werden, sondern sind jeweils nur ein Monat zu sehen. Nach dem nur wenige Tage ausgestellten Evangeliar des Johannes von Troppau sind das etwa ein antiker Papyrus, die Tabula Peutingeriana, eine Gutenbergbibel oder ein Aquarell von Jakob Alt. Diese Objekte sind alle im Katalog abgebildet.

Schatzkammer des Wissens. 650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek. [Ausstellungskatalog.] Hg. v. Johanna Rachinger. Kremayr & Scheriau, Wien, 2018. 255 Seiten, viele Abbildungen.

Bild: Wolfgang Krisai: Prunksaal der Österreichischen Nationalbiliothek. Tuschestift und Buntstift, 2015.

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Dirk Stichweh, Jörg Machirus, Scott Murphy: NY Skyscrapers

Wolfgang Krisai: Manhattan vom Roosevelt-Island aus. Tuschestift, Buntstift. 2016.

Nach meinem New-York-Aufenthalt im Sommer 2016 kaufte ich mir diesen schönen Bildband über die Hochhäuser der Stadt.

Hochhäuser in Downtown und Midtown

Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklung des Hochhausbaus in New York und Chicago, wo die ersten Hochhäuser gebaut wurden, folgt die Beschreibung der wichtigsten Bauten. Im ersten Drittel des Buches werden die Wolkenkratzer im Süden Manhattans betrachtet, wo übrigens sowohl die zerstörten Twin Towers wie auch die Neubebauung des World-Trade-Center-Areals vorgestellt werden.

Die nächsten zwei Drittel widmen sich den Hochhäusern in Midtown. Andere Hochhäuser, etwa in Brooklyn, werden nicht behandelt.

Ganz am Ende gibt es noch eine Doppelseite mit den spektakulärsten Hochhausprojekten der nächsten Jahre.

Dirk Stichweh überfrachtet seine Darstellung nicht mit technischen Details, sondern beschreibt die Aspekte der Bauten, die den Laien interessieren: die epochentypische oder -untypisch Gestalt, die Position im Ranking der höchsten, größten, teuersten oder aufregendsten Bauwerke, eventuelle baurechtliche Probleme, die Nutzung und – vor allem bei den neuesten Bauten wichtig – Fragen der Energieeffizienz und ökologischen Verträglichkeit.

Prächtige Fotos

Flächenmäßig wesentlich umfangreicher als der Text sind die prächtigen Fotos, die die einzelnen Bauten und gelegentlich als eingestreute Doppelseiten ganze Ensembles zeigen. Vorwiegend sieht man Außenansichten, manchmal Details aus dem Inneren. Erfreulicher Weise erheben die Fotos keinen selbstständigen künstlerischen Anspruch, sondern ordnen sich dem Zweck des Buches unter. Also keine großflächigen, monotonen Detailaufnahmen, sondern Gesamtansichten, soweit es bei der Dichte der Bebauung Manhattans überhaupt möglich ist, einen Wolkenkratzer ganz zu sehen. Viele der Bilder dürften auch aus dem Hubschrauber aufgenommen worden sein.

Dirk Stichweh (Text), Jörg Machirus, Scott Murphy (Fotos): NY Skyscrapers. Über den Dächern von New York City. Prestel-Verlag, München, London, New York, 2016. 190 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Manhattan vom Roosevelt-Island aus. Tuschestift, Buntstift. 2016.

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Rainer Schmidt: Das Teebuch für Anfänger, Profis und Freaks

Wolfgang Krisai: Lesende mit einer Tasse Tee, Pinselstift, 2013.

Auf der Buch Wien 2016 fiel mir Rainer Schmidts „Kleines Teebuch“ auf, und in der Buch Wien Buchhandlung entdeckte ich dann sozusagen die „Großversion“ des Buches, nämlich „Das Teebuch für Anfänger, Profis und Freaks“.

In diesem schön bebilderten und gediegen gemachten Buch informiert Schmidt über die Teepflanze, die Teeherstellung, verschiedene Blattgrade und Teesorten und -mischungen, aber auch so spezifische Dinge wie die Tee-Lagerung in der Hamburger Speicherstadt. Hamburg ist nämlich Schmidts Arbeitsort.

Schwarztee fermentiert schnell

Was ich nicht wusste, ist die Geschwindigkeit, mit der die Fermentierung des Tees vor sich geht. Ein paar Stunden sind nur nötig, und das bei nächtlicher Kühle, sobald die Teeblätter entsprechend „gerollt“, sprich, mit einem Apparat ein wenig durch die Mangel gedreht und damit vielfach aufgebrochen sind, sodass Sauerstoff ans Innere der Blätter kommt, der die Fermentation ermöglicht. Schwarzer Tee entsteht also innerhalb einer einzigen Nacht, und dann könnte man ihn schon genießen. Allzu lang sollte man Tee jedenfalls nicht lagern, da er seine Aromastoffe verliert.

Fünfmal soviel Koffein

Fermentierter Tee hat übrigens nur ein Fünftel der Koffeinmenge des Grünen Tees, kein Wunder also, dass grüner Tee einen wesentlich munterer macht als der schwarze.

Ein großer Abschnitt ist einer detaillierten Beschreibung der Tee-Anbaugebiete auf der ganzen Welt gewidmet, obwohl aus manchen Gebieten z. B. in Afrika nie ein Tee in europäische Geschäfte kommt, da die Qualität zu minder ist.

Fairer Teehandel?

Interessant war auch die Diskussion des Fairen Teehandels: Schmidts Conclusio ist, es sei im Endeffekt besser, hochwertige, teure Teesorten aus normalem Anbau zu kaufen, weil man damit viel mehr Produzenten signalisiert, dass der Kunde hochwertige Produkte will, weshalb der Produzent darauf achten wird, sein gut geschultes Personal durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen an seine Plantage zu binden. Plantagen mit großer Fluktuation von Arbeitskräften bringen normalerweise keine hohe Qualität des Tees zustande, denn es ist eben eine Kunst, den Tee richtig zu ernten.

Die richtige Teezubereitung

Dreißig Seiten des Buches sind der richtigen Teezubereitung und dem Teegenuss gewidmet. Hier habe ich einmal einen handfesten Tipp gefunden, wie man die richtige Aufgusstemperatur für grünen Tee zustande bringt: nach dem Aufkochen fünf Minuten warten, dann aufgießen. Da für grünen Tee kein kochendes Wasser nötig ist, kann man auch heißes Wasser in der Thermoskanne z. B. zum Arbeitsplatz mitnehmen und dann damit immer wieder ein paar Teeblätter aufgießen. Das könnte ich einmal ausprobieren.

Schmidt plädiert entschieden für halbkugelige Glaskannen mit riesigem Metall-Teesieb. Von Kunststoff-Sieben rät er dagegen ab, da sie den Geschmack des Tees nachteilig verändern.

Tee im Teebeutel?

Während in anderen Teebüchern dem Tee in Portionsbeuteln nicht einmal ein Wort gewidmet wird, geht Schmidt darauf an vielen Stellen ein und macht deutlich, warum es sich dabei eigentlich um nur den halben Teegenuss handelt, wenn überhaupt. Zunächst wird der Tee extrem stark zerkleinert, damit er gut ins Sackerl rieselt, dadurch verliert er aber praktisch alle Aroma- und Inhaltsstoffe an die Luft, und was noch da ist, wird vom Filterpapier zurückgehalten und gelangt nie an den Gaumen des Trinkers. Es kommt daher beim Sackerltee in erster Linie auf die Färbekraft des Tees an, die sofort wirksam werden soll. Dafür eignen sich besonders die Assam-Sorten, während chinesischer Tee viel heller bleibt.

Die Farbe des Aufgusses ist übrigens auch beim Blatt-Tee kein Kriterium der Stärke, sondern sie variierte je nach Sorte.

Gesundheitsfördernd

Abschließend zählt Schmidt all jene gesundheitlich positiven Wirkungen auf, die man dem Tee zuschreibt, insbesondere dem grünen Tee: Er ist gut gegen Krebs und zu hohen Cholesterinspiegel, er regelt den Blutdruck, verlangsamt das Altern und mach munter (das ist die bekannteste Wirkung), darüber hinaus wehre er Grippeviren ab, sorge für Entspannung, helfe gegen Depressionen und fördere die geistige Leistungsfähigkeit.

Rooibos-Tee

Was Schmidt kaum bis gar nicht behandelt, sind Tees, die nicht aus der Teepflanze hergestellt werden. Er erwähnt den Rooibos-Tee, das war’s dann aber schon. Die enorme Vielfalt der Kräutertees bleibt „außen vor“. Dabei wäre ein Buch über Kräutertees aus dem Blickwinkel des Genießers durchaus wünschenswert, denn Kräutertees trinkt man heute nicht mehr nur, wenn man krank ist, sondern auch sonst.

Ein Glossar schließt den Band ab.

Trotzdem: Eine lohnende Lektüre, nach der man seinen Tee gleich viel wissender beäugt, beschnuppert und trinkt.

Rainer Schmidt: Das Teebuch für Anfänger, Profis und Freaks. Braumüller, Wien, 2. Auflage 2014. 162 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Lesende mit einer Tasse Tee, Pinselstift, 2013.

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Peter Csendes, Ferdinand Opll (Hgg.): Wien. Geschichte einer Stadt. Band 2: Die frühneuzeitliche Residenz

Wolfgang Krisai: Das Josephinum an der Währingerstraße in Wien. 2014. Tuschestift, Buntstift.Genauso interessant wie, ja, in mancher Hinsicht noch ergiebiger als der erste Band war dieser zweite Band der Geschichte Wiens, der vom 16. bis zum 18. Jahrhundert reicht.

Interessanter deshalb, weil in diesem Band auch die Kultur entsprechend dargestellt ist, also sowohl Literatur als auch Bildende Kunst und Musik. In einem Band, der die Barockzeit und die Aufklärung umfasst, könnte die Kunst kaum ausgelassen werden, während sie von der Steinzeit bis zum Mittelalter zumindest für den Normalbürger heute keine so große Bedeutung hat, wenn man von der gotischen Baukunst absieht.

Was ist mir im Gedächtnis geblieben?

Zweite Türkenbelagerung

Das markanteste Ereignis dieser Zeit war die zweite Türkenbelagerung 1683. Detail am Rande: Im Gegensatz zur ersten waren diesmal unter den Abwehrkräften auch Einheiten von Studenten und Professoren der Universität.

Nach 1683 kam es zu einem großen Bauboom, dem wir die vielen berühmten Barockbauten Wiens verdanken.

Dominanz des Hofes

Voraussetzung dafür war, dass Wien Ende des 16. Jahrhunderts endlich zum fixen Sitz der habsburgischen Herrscher wurde. Maximilian I. hatte ja noch in Innsbruck und Wiener Neustadt, Rudolf II. in Prag residiert.

Wien wurde in Renaissance und Barock von einer bürgerlich dominierten Stadt zu einer höfischen Stadt. Das sieht man nicht nur am Hausbesitz, der vor 1500 noch überwiegend in der Hand der Bürger, um 1750 aber vor allem in adeliger Hand war, wobei Hof und Regierung die dominierenden Besitzer waren. Die Bauten der großen Adelshäuser gruppieren sich wie Trabanten um die Schlösser der Habsburger, sei es um die Hofburg, sei es auch um Schönbrunn, die „Favorita“ (heute: Theresianum), aber auch um Laxenburg.

Wirtschaft

Im Bereich der Wirtschaft verloren die Zünfte nach und nach ihre beherrschende Stellung, da neben den zünftisch organisierten Meisterbetrieben immer mehr freie Handwerker, die entweder vom Zunftzwang befreit waren, weil sie für den Hof arbeiteten oder sogenannte „Störer“ waren, die z. B. im Hauptberuf Soldaten der Stadtgarde, im Nebenberuf aber Handwerker waren, da das Gehalt der Soldaten nicht zum Leben ausreichte.

Im beschriebenen Zeitraum wurden die Märkte als alleinige Stätten, wo man sich mit Waren eindecken konnte, allmählich von festen Geschäften abgelöst.

Allmählich entwickelte sich auch ein Manufakturwesen, das merkantilistisch ausgerichtet war.

Im Gesundheitswesen ist der Bau des Allgemeinen Krankenhauses und des „Narrenturms“ ein großer Fortschritt. Das „Josephinum“ wurde als Ausbildungsstätte für Militärärzte gegründet.

Schulwesen

Dem Schulwesen ist ein großes Kapitel gewidmet. Allgemein bekannt ist ja, dass Maria Theresia die allgemeine Schulpflicht einführte.

Ich wundere mich allerdings, wie sich dafür genug Lehrer finden konnten. Die Lehrer wurden nämlich häufig überhaupt nicht bezahlt, sondern betrieben den Unterricht entweder nebenbei, während sie eigentlich z. B. Organisten oder Mesner waren, oder sie lebten vom Schulgeld, das die Schüler mehr oder weniger regelmäßig bezahlen mussten. Der Lehrberuf war offenbar zumindest in den Volksschulen ein Hungerleiderjob.

Die Schulen waren auch von chronischem Geldmangel heimgesucht. Staatlicherseits wurde alle paar Jahre irgendeine Reformmaßnahme vorgeschrieben, das dafür nötige Geld aber nicht zur Verfügung gestellt. Das erinnert mich sehr an heute wieder „erreichte“ Zustände.

Im Schulwesen spielten bis zur Aufklärung die katholischen Orden, allen voran die Jesuiten, die Hauptrolle. Die Jesuiten sind in die Literatur- und Theatergeschichte durch das jesuitische Schultheater eingegangen, das für sie ein ganz wesentlicher Teil des Unterrichts war. Man dachte, durch das Theaterspielen werde den Schülern die im Stück vertretene Moral bzw. Haltung besser eingeprägt als durch andere Formen des Unterrichts. Damit hatten sie wohl nicht unrecht.

Neben den Jesuiten betrieben z. B. die Piaristen Schulen, die bis heute bestehen, natürlich auch die Benediktiner das berühmte Schottengymnasium, aber auch viele andere Orden. Jeder Orden hatte dabei seine spezifische Ausrichtung. Die Schotten etwa unterrichteten praktisch nur junge Adelige.

Universität

Die Universität hatte im beschriebenen Zeitraum nicht gerade ihre Hochblüte. Das hängt mit Reformation und Gegenreformation zusammen. Es wundert mich nicht, dass viele Professoren und Studenten sich dem Protestantismus zuwandten, da die Universitäten dem Neuen ja aufgeschlossen gegenüberstehen. Im Zuge der Gegenreformation setzte der Hof alles daran, die Universität wieder rein katholisch zu machen. Das ging nur schrittweise und führte zu einem Qualitätsverlust, da viele wichtige Professoren lieber in deutschen protestantischen Universitäten unterrichteten als sich unter Zwang dem Katholizismus zu unterwerfen.

Literatur und Theater

In der Literatur spielten zunächst die Humanisten, etwa Conrad Celtis, eine wichtige Rolle, doch in der Barockzeit gab es in Wien kaum bedeutende Autoren, wenn man von dem berühmten Prediger Abraham a Sancta Clara absieht. Erst im Zuge der Aufklärung treten wieder bedeutendere Geister in Erscheinung, der wichtigste unter den Literaten der Aufklärung ist Alois Blumauer. Die wirklich Großen der österreichischen Literatur folgten allerdings erst später. In der Aufklärung kam auch der „Salon“ als kultureller Treffpunkt in Mode.

Im Theater fällt in diese Zeit die Entstehung der Oper und des Wiener Volkstheaters. In der Oper dominierten lange – bis Christoph Willibald Gluck – die Italiener, sowohl als Komponisten wie auch als Librettisten (man denke an Pietro Metastasio).

Architektur und Bildhauerei

In der Architektur prägen noch heute die Bauten des Barock das Wiener Stadtbild: Karlskirche, Peterskirche, Piaristenkirche, und viele, viele andere Barockkirchen; der Leopoldinische Trakt der Hofburg; Schönbrunn, Belvedere, zahllose adelige Stadtpalais und Schlösser; die „Alte Universität“; die städtischen Repräsentations- und Regierungsgebäude orientierten sich am höfischen Stil, so das „Alte Rathaus“ in der Wipplingerstraße. Künstler wie Johann Bernhard Fischer von Erlach oder Johann Lucas von Hildebrandt prägten die Baukunst der Barockzeit.

Unter den Bildhauern ragt Georg Raphael Donner heraus, der auf dem Mehlmarkt den „Providentiabrunnen“ schuf (heute bekannt als „Donnerbrunnen“ auf dem Neuen Markt), wobei er mit einem besonders billigen Angebot den Hofbildhauer Mattielli aus dem Feld schlug.

Musik

Ähnlich wie in der Literatur sind auch in der Musik vor Mitte des 18. Jh. kaum Künstler vertreten, die heute mehr als einem Fachpublikum geläufig sind. Bekannt sind Namen wie Heinrich Isaak oder Paul Hofhaimer, später Christoph Willibald Gluck. Erst mit Haydn, Mozart und Beethoven treten Komponisten von Weltrang in Erscheinung.

Als Berufsmusiker konnte man in Wien am besten leben, wenn man bei Hof angestellt wurde. Immerhin gab es mehrere Hofkapellen, da nicht nur der Kaiser, sondern auch seine Gattin und seine Kinder eigene Kapellen unterhielten. Als Hofmusiker war man bei allen wichtigen Anlässen und Festen im Einsatz.

Unter Maria Theresia wurden die Hofkapellen schließlich radikal verkleinert und schließlich ganz abgeschafft. Stattdessen engagierte man bei Bedarf die nötigen Musiker. Outsourcing, würde man heute sagen. Ob das wirklich eine billigere Lösung war?

Schlechter gestellt waren die Kirchenmusiker, die nur etwa ein Zehntel dessen verdienten, was die Hofmusiker erhielten. Eine Stelle als Organist oder Kirchenmusiker konnte allerdings das Sprungbrett zu einer Stellung bei Hof sein.

Gut lesbares Buch

Stilistisch ist das ganze Buch, obwohl von verschiedenen WissenschaftlerInnen verfasst, in einer auch dem Laien gut verständlichen Sprache verfasst, die die Lektüre angenehm macht. Zahlreiche Abbildungen illustrieren das im Text Gesagte.

Peter Csendes, Ferdinand Opll (Hgg.): Wien. Geschichte einer Stadt. Band 2: Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert). Hg. v. Karl Vocelka und Anna Traninger. Böhlau Verlag, Wien u.a., 2003. 651 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Das Josephinum an der Währingerstraße in Wien. 2014. Tuschestift, Buntstift.

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