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Wolfgang Petritsch: Epochenwechsel

Bild: Wolfgang Krisai: Aquarell. 1987.

Der auf der politischen Bühne versierte Autor (er war z. B. zwischen 1999 und 2002 UNO-Repräsentant für Bosnien und Herzegowina) behandelt die politischen Veränderungen der letzten Jahre, wofür er bis zum Kalten Krieg ausholt. Vor allem die Zeit nach 1989 wird ausführlich und die Gegenwart besonders genau beschrieben und analysiert. Das Ergebnis ist nicht sehr beruhigend, aber Petritsch betreibt auch keine Panikmache.

China auf dem Weg zur Weltmacht

Er sieht China auf dem Vormarsch zur Weltmacht Nr. 1, und zwar auf wirtschaftlichem Weg, statt auf kriegerischem. Putin wiederum versucht trotz wirtschaftlicher Schwäche seines Landes Russland als Weltmacht wieder zu etablieren und gleichzeitig die EU und die USA zu destabilisieren, indem er subversive Mittel des Digitalzeitalters geschickt ausnützt. So soll Russland seine Finger im US-Wahlkampf genauso wie im Brexit-Votum der Briten drin gehabt haben. Trump und der Brexit sind in Petritschs Augen die größten Fehler der westlichen Welt, denn sie destabilisieren diese in einer Zeit, wo der Westen angesichts der Herausforderungen Türkei, Syrien, China und Russland stark sein müsste.

Digitale Total-Überwachung

Die politischen Auswirkungen von Digitalisierung, Internet und künstlicher Intelligenz seien noch nicht abzusehen, aber jedenfalls nicht so, dass da automatisch ein goldenes, demokratisches Zeitalter heraufdämmern würde. Im Gegenteil, China exerziert gerade vor, wie ein Land das Internet und die digitalen Überwachungsmöglichkeiten aller Art geschickt zur totalen Überwachung und Gängelung der eigenen Bevölkerung einsetzen kann und wird. 

Ein überaus interessantes und lehrreiches Buch.

Wolfgang Petritsch: Epochenwechsel. Unser digital-autoritäres Jahrhundert.  Mitarbeit: Philipp Freund. Brandstätter Verlag, Wien, 2018. 285 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Aquarell. 1987.

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