Schlagwort-Archive: Gutenberg-Bibel

Stephan Füssel: Die Gutenberg-Bibel

Das Gutenberg-Denkmal am Lugeck in Wien.
Das Gutenberg-Denkmal am Lugeck in Wien. (Foto: buchwolf)

Die Faksimile-Ausgabe der Gutenberg-Bibel des Taschen-Verlags enthält einen Kommentarband von Stephan Füssel:

Jede Gutenberg-Bibel ein wenig anders

Zunächst stellt der Autor Gutenberg vor, dann die Gutenberg-Bibel, dann genauer das Göttinger Exemplar, das als Vorlage für das Faksimile diente. Man muss bedenken, dass jede der 180 42-zeiligen Gutenberg-Bibeln ein wenig anders ist, da es nicht nur kleine Unterschiede im Druck gibt, auch im bedruckten Material (nämlich Pergament oder Papier), vor allem aber in der buchkünstlerischen Gestaltung und im Einband, da Gutenberg ja mittelalterliche Handschriften nachahmte und daher nicht nur schwarzen Text vorsah, sondern rote Initialen und Anfangszeilen der biblischen Bücher (die ein „Rubrikator“ von Hand eintragen musste, da Gutenberg schnell erkannte, dass zweifarbiger Druck zu aufwändig wäre (erst seine Kompagnons Fust und Schöffer druckten dann zweifarbig)) und schön gemalte Initialen und anderen Buchschmuck, den ein Buchmaler einzufügen hatte. Außerdem musste der Käufer das Buch – im Falle der Gutenberg-Bibel waren es sogar zwei Bände – nach eigenen Vorstellungen binden lassen.

Wichtigste Urkunde zu Gutenberg

Der Kommentarband stellt auch das wichtigste urkundliche Dokument zum Leben Gutenbergs vor, das sogenannte „Helmaspergersche Notariatsinstrument“, in dem ein Gerichtsschreiber den Ausgang des Rechtsstreits zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johannes Fust genau notierte. Als nämlich die 42-zeiligen Bibeln 1455 fertig waren, zerstritten sich die beiden und trennten sich, wobei Gutenberg Fust ziemlich viel Geld zahlen und allerlei Material (z. B. Schrifttypen) überlassen musste, mit denen Fust dann gemeinsam mit dem von Gutenberg abgeworbenen Druckergesellen Peter Schöffer eine eigene, sehr erfolgreiche Druckerei eröffnete.

Möglicherweise führte aber gerade dieses Zerwürfnis zur schnelleren Verbreitung der neuen Technik, da Gutenberg seinem Konkurrenten schaden wollte, indem er möglichst viele Drucker ausbildete, die dann in andere Städte gingen und dort Druckereien eröffneten.

Malanleitung

Der Kommentarband stellt auch ein wichtiges Hilfsmittel für die Buchmaler vor, das „Göttinger Musterbuch“, in dem Buchmalern genau erklärt wird, wie und mit welchen Farben sie die Verzierungen der Bibeln malen könnten. Das Göttinger Exemplar wurde ganz offensichtlich nach diesem Musterbuch illuminiert.

49 noch erhalten

Im Anhang findet sich eine Liste der Standorte der 49 noch erhaltenen Gutenberg-Bibeln, eine davon in der Österreichischen Nationalbibliothek. Außerdem gibt es eine Liste der im Internet frei verfügbaren digitalen Editionen der Gutenberg-Bibel.

Stephan Füssel: Die Gutenberg-Bibel von 1454. Kommentar zu Leben und Werk von Johannes Gutenberg, zum Bibeldruck, den Besonderheiten des Göttinger Exemplars, dem „Göttinger Musterbuch“ und dem „Helmaspergerschen Notariatsinstrument“. Taschen-Verlag, Köln, 2018. 114 Seiten.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

Maren Gottschalk: Johannes Gutenberg. Mann des Jahrtausends.

Wolfgang Krisai: Mainz, Kaiserdom. Zeichnung, 2014.

Maren Gottschalks Biographie über „Johannes Gutenberg. Mann des Jahrtausends“ ist ein für Laien geschriebenes, sehr gut lesbares und anschauliches Buch, das sich im Programm des Böhlau-Verlags wie ein Fremdkörper ausnimmt. Hoffentlich ist ihm trotzdem Erfolg beschieden.

Zumal es sehr schön gestaltet und gediegen gemacht ist: Hardcover, Fadenheftung, Lesebändchen, mit vielen Farbabbildungen, zweifärbigem Druck und moderner Typographie. Außerdem ist es sehr informativ, denn man erfährt nicht nur viel über Gutenberg selbst, sondern auch detaillierte Informationen darüber, wie der Buchdruck damals funktionierte, von der Herstellung des Schrifttypen bis zum „Marketing“ für die Gutenberg-Bibel.

Was mir besonders in Erinnerung ist:

Henne Gensfleisch

Gutenberg hieß Henne Gensfleisch und stammte aus einer wohlhabenden Mainzer Patrizierfamilie. 

In Mainz gab es immer wieder Revolten der Handwerker gegen die Patrizier, die ihrerseits dem Erzbischof die Herrschaft abgerungen hatten. Wenn es den Patriziern in Mainz „zu heiß“ wurde, zogen sie aus, die Gutenbergs in ihr Haus in Eltville am gegenüberliegenden Rheinufer.

Gutenberg studierte in Erfurt, das zum Bistum Mainz gehörte. Das ist zumindest das Wahrscheinlichste, und immerhin wird um 1420 ein Student Johannes de Alta Villa vermerkt. Das könnte er gewesen sein.

Heiltumsspiegel

Dann taucht er in Straßburg auf (1443-44), wo er sich als Geschäftsmann betätigte und Heiltumsspiegel herstellt, eine spezielle Form von Pilgerabzeichen, die er in Aachen verkaufen will.

Außerdem muss er sich schon in Straßburg mit der Druckkunst befasst haben.

Grammatik und Kalender

Zwischen 1444 und 1448 gibt es keine Nachrichten über ihn, 1448 ist er in Mainz ansässig. Dort gründet er eine Druckerei, druckt bereits einige kleinere Schriften, unter anderem eine lateinische Grammatik, den „Donat“, und Kalender. 

Dafür musste er alle nötigen Geräte, Materialien und Fertigkeiten erst einmal entwickeln, was sicher nicht von heute auf morgen gegangen ist: Stahlstempel und Handgießgerät, Winkelhaken und Setzschiff, Farbe und Druckerballen, die Druckerpresse. Als Schrift wählte er die Textura.

Die Gutenberg-Bibel

1450 nahm er die Gutenberg-Bibel in Angriff, mit Johannes Fust, der ihm viel Geld dafür lieh, und dessen Ziehsohn Peter Schöffer, und einigen hervorragenden Mitarbeitern seiner Druckerei.

Die Gutenberg-Bibel wurde ein absolutes Meisterwerk, manche meinen, das schönste Buch, das je gedruckt wurde. Die 180 Exemplare waren noch vor dem Druck verkauft, was Enea Silvio Piccolomini in einem Brief erwähnt. Und 1987 wurde eine Gutenberg-Bibel um 9,75 Mill. DM verkauft (also fast 5 Mill. Euro), ein Preis, den kein anderes gedrucktes Buch je erreichte.

Zerwürfnis und Prozess

Noch während des zwei Jahre dauernden Drucks der Bibel entzweite sich Gutenberg mit Johannes Fust und Peter Schöffer. Er verlor einen Prozess gegen sie, musste ihnen viel Geld zurückzahlen und zwei Druckerpressen samt allem nötigen Material überlassen. Damit gründeten die beiden sogleich eine eigene Druckerei, die ebenfalls Meisterwerke hervorbrachte.

Sollte Fust gedacht haben, er könne ein Monopol auf das Drucken erringen, so machte ihm Gutenberg einen Strich durch die Rechnung. Dieser lehrte nämlich viele Menschen die Druckkunst, sodass bald in ganz Deutschland und Europa Druckereien aus dem Boden schossen, zuerst in Bamberg, Straßburg, Frankfurt, bald auch in Subiaco und Rom.

Gutenberg starb 1468 als begüterter Mann, sein Grab ist nicht erhalten.

Übrigens habe ich Maren Gottschalk bei der Buch Wien 2018 erlebt, wo sie einen halbstündigen, äußerst interessanten und kurzweiligen Vortrag über Gutenberg hielt.

Maren Gottschalk: Johannes Gutenberg. Mann des Jahrtausends. Böhlau, Köln u.a., 2018. 160 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Mainz, Kaiserdom. Zeichnung, 2014.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Biographie