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Matiychuk, Oxana: Rose Ausländers Leben im Wort

Bei der Buch Wien 2021 kam mir diese kurze Graphic Novel unter (die streng genommen überhaupt keine ist, da sie kein Sprechblasen mit Dialogen hat, sondern nur einen fortlaufenden Text über Rose Ausländer), ich kaufte sie und las sie mit großem Interesse.

Rose Ausländer hatte ein bewegtes Leben, leider nicht freiwillig, denn als Czernowitzer Jüdin war sie von der Geschichte des 20. Jahrhunderts bedroht. 

In Czernowitz geboren

Sie kam als Rosalie Scherzer 1901 in Czernowitz zur Welt. 1914 flieht die Familie vor dem Ersten Weltkrieg nach Wien. Sie besucht ein Handelslyzeum und schreibt erste Gedichte.

1919 war sie wieder in Czernowitz, das damals zu Rumänien gehörte. Nach dem Tod des Vaters geht sie nach Amerika, da sie auf diese Weise der Armut zu entkommen hofft. Auf dem Schiff begleitet sie ein Freund der Familie, Ignaz Ausländer, den sie in Amerika heiratet. Ab 1923 leben die beiden in New York, zuvor in Minnesota. Rose sehnt sich nach der Bukowina zurück.

Beide erhalten die amerikanische Staatsbürgerschaft. Daraufhin macht Rose einen Besuch in Czernowitz und lernt dort die Liebe ihres Lebens kennen, den Graphologen Helios Hecht. Sie lässt sich scheiden, um ihn zu heiraten, doch er kann sich nicht scheiden lassen, daher wird aus einer Ehe nichts. Trotzdem leben die beiden zusammen, Rose schreibt für Czernowitzer Zeitungen. Als Helios einige ihrer Gedichte, begleitet von einer graphologischen „Charakteranalyse“, ohne ihre Zustimmung veröffentlicht, kommt es zu Bruch. Ab dann lebt Rose Ausländer allein. 

Die Judenverfolgung überlebt

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt fällt Czernowitz an die UdSSR, bald darauf wird es von den Deutschen erobert. Sofort beginnen die Nazis mit der systematischen Judenverfolgung. In Czernowitz wird ein Ghetto errichtet, in das auch Rose gerät. Viele Juden werden ermordet, doch Rose überlebt. Ab 1944 ist Czernowitz wieder sowjetisch. Rose kann 1946 in die USA ausreisen. Doch dort wird sie nicht glücklich. Also beschließt sie 1964, wieder nach Europa zu ziehen, zunächst nach Wien, wo sie aber eine nach wie vor judenfeindliche Atmosphäre vorfindet, sodass sie nach Düsseldorf zieht. Dort hat sie aber kein richtige Wohnung, sondern zieht von Pension zu Pension, wenn sie nicht gerade auf Reisen ist. Ihre Habe ist in einem Dutzend Koffern verstaut.

Im Nelly-Sachs-Haus

Ein schwerer Beinbruch führt 1972 zu permanenter Behinderung, sodass sie in einem Altersheim für Künstler*innen Zuflucht und Pflege in Anspruch nehmen muss, im Nelly-Sachs-Haus, das der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf gehört. Dort bleibt sie bis zu ihrem Tod 1988. Ihre Kontakte werden immer weniger, schließlich hört sie auch zu schreiben auf.

Diese Graphic Novel ist sehr einfach geschrieben, aber originell gestaltet. Eine perfekte erste Einführung in Leben und Werk der Autorin.

Die Illustrationen und die Gestaltung stammen von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko, die Übersetzung von Kati Brunner.

Matiychuk, Oxana: Rose Ausländers Leben im Wort. Graphic Novel. Übersetzt von Kati Brunner.  Gestaltung von Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko. Danube books, Ulm, 2021. 52 Seiten. 

Bild: Wolfgang Krisai: Ellis Island in New York, Gebäude der Einwanderungsbehörde. 2017. Tuschestift.

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