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Vincent Brunot: Paris. Vues dessinées

Wolfgang Krisai: Blick vom Jardin de Luxembourg zum Tour Montparnasse, November 2011, Bleistift.Meine Frau brachte mir von ihrer letzten Paris-Reise ein außergewöhnlich schön und genau gezeichnetes Buch mit gezeichneten Ansichten von Paris mit: „Paris. Vues dessinées“ von Vincent Brunot.

Brunot war lange Zeit einer der Zeichner hinter den wunderbaren Reiseführern des Gallimard-Verlags, die auch ins Deutsche übersetzt wurden (DuMont Visuell Reiseführer), und in denen viele grafische Darstellungen, Schnittbilder, Vogelschauen von Stadtvierteln, etc. enthalten sind.

Kein Wunder, dass der Schöpfer solcher instruktiver Zeichnungen auch in diesem Band seine Fähigkeit, Zeichnungen mit unzähigen Details zu füllen, ohne je pingelig zu wirken, ausspielt. Ob es nun ein Ausblick vom Dach des Arc de Triomphe ist oder eine Innenansicht des Künstlerbedarfsgeschäfts Sénnelier, der Blick in einen versteckten Platz oder über die Brücken der Seine, alle Bilder sind ein Genuss. Zum Teil aquarelliert, zum Teil reine Bleistiftzeichnungen.

Der Text beschränkt sich auf die allernotwendigsten Informationen, aber man erfährt immer, worum es sich genau handelt, und zwar auf Französisch und Englisch.

Vincent Brunot: Paris. Vues dessinées. Fage éditions, Lyon, 2014.

Hier geht’s zur französischen Verlags-Website zum Buch, wo man zumindest die Titelseite ansehen kann.

Bild: Aus Copyright-Gründen zeige ich kein Bild aus dem Buch, sondern ein eigenes: Wolfgang Krisai: Blick vom Jardin de Luxembourg zum Tour Montparnasse, November 2011, Bleistift.

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Amandine Péchinoat & Kanako Kuno: Les Parisiens

Wolfgang Krisai: Die Pariserin beim Frühstück. Tuschpinsel, gezeichnet nach einem der im Buch enthaltenen Fotos.

Wolfgang Krisai: Die Pariserin beim Frühstück. Tuschpinsel, gezeichnet nach einem der im Buch enthaltenen Fotos.

(English summary below.)

Gezeichnete Bücher, in denen kaum Text steht – das ist auch auf Französisch kein Problem. Dieses hier ist ein besonderer Genuss, weil der Lebensstil der jungen, modernen Pariserin genau getroffen ist und auf sympathische Weise auf die Schaufel genommen wird.

Das Buch ist aus einem Blog mit dem Titel „My little Paris“ (www.mylittleparis.com – eine Website, die leider in einigen Punkte zumindest auf meinen Computern nicht funktioniert) hervorgegangen, der vor allem durch das perfekte Zusammenspiel der Zeichnungen von Kanako Kuno, einer japanischen Wahlpariserin, und der Autorin Amandine Péchinoat besticht. Auch im Buch ist es den beiden gelungen, dieses Zusammenspiel fortzusetzen, und man blättert begeistert und schmunzelnd von Seite zu Seite und ist viel zu schnell am Ende.

Lustig zum Beispiel ist die Darstellung der Wohnsituation der Parisienne: In einem winzigen chambre de bonne (mehr kann sich die junge Frau nicht leisten, wie wir wissen) häufen sich zeitgeistige Dinge wie die nie gebrauchte Yogamatte oder an die Wand gepinnte Instagram-Fotos.

Auf einer ausklappbaren Doppelseite sieht man sogar einen Schnitt durch das ganze Wohnhaus, von der Boulangerie im Erdgeschoß bis zur Dachwohnung eines sich auseinandergelebt habenden Paares. Im vierten Stock befindet sich das Appartement der Pariserin…

Auf Seite 43 macht sich die enttäuschte junge Dame mit einer Zange über das einst zuversichtlich an der Pont des arts angebrachte Liebes-Vorhängschloss her: „Coeur brisé“! Na, es wird nicht lange dauern, und sie hat einen Neuen.

Äußerst treffend auch, was die Pariserin liebt:

… quand on lui fait un compliment sur ses vȇtements;

… boire un café en faisant semblant de lire Le Monde.

… faire sauter les collants dès que le printemps se pointe;

… recevoir un sexto (das ist kein Tippfehler, sondern ein dazugelerntes Wort).

Man sieht: Nach der Lektüre ist man nicht nur besser aufgelegt, sondern auch gebildeter!

Amandine Péchinoat & Kanako Kuno: Les Parisiens. Ce qu’ils disent, ce qu’ils font, ce qu’ils pensent. Paris, Èditions du Chéne, 2012. 112 Seiten. Gebunden.

English summary:

Books containing only drawings with a little text – that is no problem even in french. This one is an extraordinary pleasure, as ist outlines the lifestyle of a young modern woman in Paris and makes fun of it in a sympathetic way.

The Book is based an the blog www.mylittleparis.com, the drawings of Kanako Kuno and the texts of Amadine Péchinoat are a perfect symbiose.

Very funny is the presetation of the home of the Parisienne: an appartment full of stylish things like a never used yoga-mat or instagram-pictures pinned to the wall, in the fourth floor of an old Paris house with a baker’s in the ground floor.

On page 43 you see her trying to cut off the padlock once put there: „Broken heart“ is the title. She certainly will not have to wait long for a new lover.

Very characteristic what the Parisienne loves:

… compliments about her clothes;

… drinking coffee while giving herself the air of reading Le Monde;

… put off the panty as soon as the first signs of spring show up;

… getting a „sexto“, an erotic message (a word I didn’t know before).

You see: after reading the book you not only feel better but also know more.

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Malet: Bilder bluten nicht

Wolfgang Krisai: Carrefour de la croix rouge, Paris: Bleistift.

Wolfgang Krisai: Carrefour de la croix rouge, Paris: Bleistift.

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich mir diesen Ziegel mit 10 Krimis von Léo Malet gekauft habe. Jetzt jedenfalls habe ich mir den Krimi, der im 1. Arrondissement spielt, vorgenommen und ihn gelesen.

Der Held ist der Detektiv Nestor Burma, der am Rande der Legalität agiert, ein bisschen mit der Polizei zusammenarbeitet und selbst immer wieder zusammengeschlagen wird.

Bei den Fall, den er in diesem Roman zu lösen hat, scheint es sich zunächst um zwei voneinander unabhängige Fälle zu handeln: um einen Gemäldediebstahl aus dem Louvre und um das seltsame Verhalten eines Mannes, den Burma im Auftrag von dessen Frau beschatten und nach Hause zurückschicken soll.

Nach einigen argen Verwicklungen findet Burma heraus, dass beide Fälle zusammenhängen, und zwar auf eine Weise, die der Leser unmöglich vorausahnen konnte: der beschattete Ehemann namens Lheureux und der Drahtzieher des Kunstdiebstahls (ein Raffael wurde entwendet) namens Lapeur sind Zwillingsbrüder, wechseln nach Bedarf in die Identität des anderen – und Lapeur lässt seinen arglosen Bruder Lheureux an seiner Stelle umgebracht werden…

Zu guter Letzt jedoch erschießt Burma in einem Akt der Notwehr den wahren Lapeur, nachdem dieser einige seiner Komplizen um die Ecke gebracht hat.

Der Krimi ist nicht extrem spannend, da man zu wenig mitfühlen kann. Aber er ist immerhin stellenweise witzig formuliert, insbesondere gefällt der schnoddrige Ton Burmas. Und lang ist das Buch auch nicht.

Buchdaten:

Malet, Léo: Bilder bluten nicht.

Kriminalroman.

In: L. M.: Paris des Verbrechens. Nestor Burmas klassische Fälle.

Frankfurt, Zweitausendeins, o. J.

S. 9 – 130.

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