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Karl Heinz Ritschel: Salzburg. Anmut und Macht

Wolfgang Krisai: Die Georg-Trakl-Alle von Alexander Steinwendtner in Salzburg Nonntal

Karl Heinz Ritschel, von 1964 bis 1995 Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, hat eine ganze Menge Bücher über Salzburg geschrieben. Dieser kleine, aber dicke Band bietet eine kurzweilige und informative Zusammenschau und eignet sich damit bestens für das, was ich mit der Lektüre bezwecken wollte: meine Salzburg-Kenntnisse auffrischen und erweitern, anlässlich einer Projektwoche, die ich heuer begleitete. Was mir allerdings nicht gelungen ist: dieses Buch bereits vor der Projektwoche fertigzulesen. Jetzt, im Nachhinein, würde ich am liebsten gleich wieder hinfahren, um all das zu sehen, von dem Ritschel erzählt und das ich noch nicht wahrgenommen habe.

Salzburg von der Steinzeit bis heute

Das Buch verwendet die Geschichte Salzburgs von der Steinzeit bis in die Gegenwart als grobe Grundstruktur, weicht davon aber ab, wenn es angebracht ist. Die einzelnen Abschnitte sind jeweils einem Thema gewidmet, sei es einem Zeitabschnitt (etwa die Römerzeit), sei es einem Bauwerk (dem Dom) oder einer Persönlichkeit (natürlich: Mozart) oder gleich mehreren (den Bischöfen zwischen Marcus Sittikus und Colloredo, letzterem wird dann ein eigenes Kapitel gewidmet). Es sind bei weitem nicht nur die jetzt erwähnten herausragenden Themen, sondern viele, die nicht ganz so nahe liegen, man denke nur z. B. an die Erhardikirche in Nonntal, an den Arzt Paracelsus oder den Dichter Georg Trakl.

Von einem Salzburg-Fan für Salzburg-Fans

Das Buch schrieb ein Salzburg-Fan für Salzburg-Fans, daher werden die dunklen Kapitel der Salzburger Geschichte (die Vertreibung der Protestanten, der Bau der Staatsbrücke durch Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg…) nicht breit ausgeführt.

Illustriert ist der Band mit Reproduktionen farbiger Kunstwerke, die Salzburg darstellen, von der Salzburg-Ansicht in Schedels Weltchronik bis zu einem Blick auf den Kapuzinerberg von Werner Otte (1922-1996).

Für Salzburg-Liebhaber ein äußerst lesenswertes Buch!

Karl Heinz Ritschel: Salzburg. Anmut und Macht. Verlag Anton Pustet, Salzburg – München, 1995. 480 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Die Georg-Trakl-Alle von Alexander Steinwendtner in Salzburg Nonntal. – Nicht im Buch, da erst 2014 aufgestellt, aber trotzdem sehenswert, zumindest für Trakl-Fans. Die „Allee“ aus mannshohen bedruckten Steintafeln befindet sich südlich des „Unipark Nonntal“.

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Clemens M. Hutter: Christian Doppler. Der für die Menschheit bedeutendste Salzburger.

Christian Dopplers Geburtshaus in Salzburg. Foto: W. Krisai, 2017

In der Salzburger Dombuchhandlung kaufte ich mir diese Biographie über den bedeutenden Salzburger Christian Doppler.

Radar-Messung und Ultraschall-Untersuchung

Es ist jener Mann, der den Doppler-Effekt entdeckt hat. Hutter zeichnet das eher wenig ereignisreiche Leben dieses Mannes nach, ergänzt die Biographie aber mit historischen Hintergründen aller Art, die manchmal etwas weit hergeholt sind, und vor allem mit für Laien verständlichen Darstellungen all jener Aspekte von Physik und Technik, für die der Doppler-Effekt eine maßgebliche Rolle spielt. Dazu zählen etwas die Entfernungs- und Bewegungsmessung von Sternen und anderen Himmelsobjekten, die Radarfallen auf der Straße, das Radar überhaupt oder die Ultraschall-Untersuchungsmethode. Alles Bereiche, die im heutigen Leben eine große Rolle spielen. Hutter bezeichnet Doppler daher als den „für die Menschheit bedeutendsten Salzburger“.

Doppler wurde 1803 im Haus gegenüber dem Salzburger Landestheater geboren, an dem heute eine große Gedenktafel prangt. Sonst war die Stadt mit Ehrungen ziemlich sparsam, wenn auch in der jüngsten Zeit das Bewusstsein von der Bedeutung Dopplers allmählich steigt.

Ein Talent in Mathematik und Physik

Dopplers Eltern waren relativ wohlhabende Steinmetze. Es war bald klar, dass der schmächtige Christian sich nicht als Nachfolger des Vaters eignete, daher durfte er das Gymnasium besuchen und später studieren. Sein Talent auf dem Gebiet der Mathematik und Physik wurde bald erkannt, er hatte Förderer, die ihm Stellen zunächst als Gymnasiallehrer in Prag, später als Dozent und Professor an der Universität Wien verschafften.

Dopplers Pech war, dass seine Entdeckung im 19. Jahrhundert nicht auf fruchtbaren Boden fallen konnte, weil man technisch nicht in der Lage war, sie zu nützen.

Intrigen an der Uni

Seine Gegner auf der Uni behaupteten erfolgreich, der Doppler-Effekt sei ein Hirngespinst. Erst Albert Einstein stellte endgültig klar, dass Doppler recht gehabt habe und seine Entdeckung bahnbrechend gewesen sei. Da war Doppler jedoch schon mehr als 50 Jahre tot, denn er starb bereits 1853.

Das Buch ist kurzweilig zu lesen und äußerst interessant. Es rückt das Bild von Salzburg als der „Mozart-Stadt“ ein wenig zurecht, müsste man doch nun wohl mit gleichem Recht „Doppler-Stadt“ sagen.

Allen Spuren nachgegangen

Zahlreiche Illustrationen bereichern das Buch. Das geht bis zu einer Abbildung jener Elektrolok der „STEG“ (Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH), auf der Unterschrift und Porträt Dopplers prangen. Man sieht: Der Autor ist allen Spuren Dopplers nachgegangen.

Clemens M. Hutter: Christian Doppler. Der für die Menschheit bedeutendste Salzburger. Verlag Anton Pustet, Salzburg, 2017. 173 Seiten. Broschiert, fadengeheftet.

Foto: Christian Dopplers Geburtshaus in Salzburg. W. Krisai, 2017

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Ursula Poznanski: Stimmen. Thriller

Wolfgang Krisai: Blick auf Salzburg mit dem Mozartsteg. Tuschestift. 2013Wenn ein neuer Krimi, genauer: Thriller, unserer ehemaligen Schülerin Ursula Poznanski herauskommt, muss ich den natürlich lesen. Zumal ihn diesmal eine meiner Bibliotheksmitarbeiterinnen der Schulbibliothek vor mir gelesen und sehr gelobt hat. Also lieh ich ihn mir für die Osterferien aus – und las ihn gleich am ersten Ferientag zu Ende.

Mord in einer psychiatrischen Klinik

Gleich vorweg: Der Roman ist gut geschrieben und spannend, gewährt außerdem Einblicke in eine Sphäre, in die man lieber real keinen Einblick haben möchte: in eine psychiatrische Klinik.

Am nördlichen Stadtrand Salzburgs liegt nämlich das – fiktive – Klinikum (wie Krankenhäuser neuerdings euphemistisch genannt werden) Salzburg Nord, das auch eine psychiatrische Abteilung hat. Dort ist ein junger Arzt ermordet worden, und die Leiche wurde auf seltsame Weise mit Kindermessern aus Plastik dekoriert.

Die aus den beiden vorherigen Thrillern „Fünf“ und „Blinde Vögel“ schon bekannten Polizeibeamten Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ermitteln ohne viel Erfolg zunächst, können also auch nicht verhindern, dass es zu weiteren Morden kommt.

Dem Abteilungsleiter Dr. Klement geht es offenbar weniger um die armen Ermordeten als um seinen gefährdeten Ruf als Wissenschaftler. Der tote Arzt könnte daran gedacht haben, auffliegen zu lassen, dass Klement seine Forschungsergebnisse frisiert.

Missbrauchsopfer schweigt

Klements wichtigste Patientin ist ein Extremfall: Jasmin Matheis (spricht man die eigentlich Mathé-is oder Máth-eis aus? Ich habe immer die erste Variante „gehört“). Das ist eine riesenhafte Frau, die schwer traumatisiert ist, weil sie viele Jahre lang von ihrem Vater, einem minderbemittelten Bauern, im Keller eingesperrt und missbraucht wurde. Per Zufall wurde sie entdeckt. Die beiden dieser Verbindung entsprungenen Kinder wurden vom Vater im eigenen Fischteich ertränkt. Als die Sache aufflog, erhängte sich der Vater. Die Tochter kam in die Klinik, weil sie kein Wort spricht und auch sonst kaum Reaktionen zeigt. Von der Außenwelt ist sie völlig abgeschirmt.

Beatrice entdeckt jedoch mit der Zeit zaghafte Ansätze zu „Mitteilungen“ seitens Jasmins. Diese hängen mit Tarot-Karten zusammen, die Jasmin in einem krankenhaus-internen Tarot-Seminar kennengelernt hat. Das ist wichtig, da Jasmin beim ersten Mord diese seltsamen Messerchen arrangiert hat, wie die darauf befindlichen Fingerabdrücke beweisen.

Ein anderer wichtiger Patient ist Walter Trimmel, der ständig eingebildete „Stimmen“ hört, die ihm Vorwürfe machen oder ihm irgendetwas Erniedrigendes befehlen, wie zum Beispiel, das Blut der Arztleiche aufzulecken. Trimmel wird im Lauf des Romans selbst Opfer eines Mordversuchs.

Überfall auf die Polizistin

Ja, auch Beatrice wird eines Nachts an ihrer Haustür überfallen, kann dem Schlag mit einer Eisenstange allerdings ausweichen und dem Täter mit dem Schlüsselbund Wunden im Gesicht zufügen. Am nächsten Tag gibt es im Klinikum wieder einen Toten, einen Pfleger – und dieser hat im Gesicht Wunden, die von Beatrices Schlüsselbund stammen.

Schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale, das ich entgegen meiner Blogphilosophie hier nicht verrate.

Das psychologische Drumherum

Die Misere, die zwischen Beatrice und ihrem Ex-Mann Achim besteht, geht auch in diesem Roman weiter. Daneben aber kommen sich Beatrice und Florin näher und schlafen sogar miteinander. (Da bahnt sich für die nächsten Thriller ein Konfliktpotential hat, da die Liebe zwischen Arbeitskollegen sicher nicht so einfach sein wird…)

Der unsympathische Chef der beiden, Hoffmann, macht gerade Schreckliches durch, weil seine Frau an Krebs stirbt, sodass er keine Zeit hat, Beatrice auf die Nerven zu gehen. Das macht dafür der arrogante und selbstherrliche Kollege Bechner, der zum Schluss aber ganz klein wird, weil er irrtümlich ausgeplaudert hat, dass Jasmin Mateis in der Klinik lebt, was natürlich sofort weltweites Aufsehen erregt.

Auch der wegen seines Geschwätzes nervtötende Polizeipsychologe Dr. Kossner hat wieder seine Auftritte, darf aber durchaus auch Brauchbares zum Fall beitragen.

Also: Solide Arbeit der Autorin, genau das, was man sich von einem guten Krimi erwartet.

Ursula Poznanski: Stimmen. Thriller. Wunderlich/Rowohlt, Reinbek, 2015. 441 Seiten.

Bild: Wolfgang Krisai: Blick auf Salzburg mit dem Mozartsteg. 2013. Tuschestift.

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Zwei Bücher über Salzburg

Als ich am letzten Tag mder Projektwoche meine SchülerInnen shoppen ließ, hatte ich Zeit, die Stadt zu zeichnen, mit dem Mozartsteg im Vordergrund.

Als ich am letzten Tag der Projektwoche meine SchülerInnen shoppen ließ, hatte ich Zeit, die Stadt zu zeichnen, mit dem Mozartsteg im Vordergrund.

Bei der letzten schulischen Projektwoche in Salzburg im vergangenen Juni belohnte ich mich zum Abschluss mit Heinz Dopschs kleinem, aber schön und gediegen gemachtem Buch „Kleine Geschichte Salzburgs. Stadt und Land“ aus dem Pustet-Verlag.

Und bei der vergangene Buch Wien stellte der Brandstätter-Verlag seinen neuesten Salzburg-Bildband aus, den mir meine Frau dann zu Weihnachten schenkte. Beide Bände ergänzen sich aufs Schönste, daher bespreche ich sie hier gemeinsam.

Destillat der Geschichte Salzburgs

Während einer weihnachtlichen Bahnfahrt nach Salzburg begann ich Dopschs „Kleine Geschichte“, die überaus interessant, ja spannend zu lesen ist. Eine ganze Menge Abbildungen ergänzen den Text, am Schluss gibt es eine Landkarte des Bundeslandes Salzburg (die leider nicht perfekt ist, da Salzburg ja erst seit Kurzem in genau diesen Grenzen steckt, und hier die Gebiete außerhalb – auch jene, die einst zu Salzburg gehörten wie Laufen oder Tittmoning – einfach weiß gelassen sind) und diverse Listen von Herrschern, allen voran den Erzbischöfen vom Hl. Rupert bis heute.

Das Buch ist ideal, um schnell sein Wissen aufzufrischen und in einigen Punkten zu ergänzen, es würde sich auch als Einstieg in die Geschichte Salzburgs eignen.

Dopsch ist auch Herausgeber einer viel, viel umfangreicheren Geschichte Salzburgs, die „Kleine Geschichte“ ist sozusagen das bis ca. 2009 herauf aktualisierte Destillat der großen.

Ein opulenter Salzburg-Bildband

Ein Leseerlebnis der besonderen Art bietet der opulente Bildband „Salzburg“ von Johannes Neuhardt und Wolfgang Straub. Die erste, von Johannes Neuhardt verfasst Hälfte, strotzt nämlich nur so von sprachlichen Schnitzern: In fast jedem zweiten Satz gibt es stilistische Mängel, Grammatik- oder (seltener) Zeichensetzungsfehler. Zum Teil so unfreiwillig komisch, dass man lachen muss.

Dabei ist Neuhardt eine verdiente Persönlichkeit der Stadt Salzburg: Der 1930 geborene Prälat ist u. a. Gründer des Dommuseums und Konservator der Erzdiözese Salzburg. In dieser Hinsicht mögen seine Verdienste groß sein, sprachlich jedoch hapert es bei ihm. Damit Autoren, die die Sprache, in der sie schreiben, nicht ganz beherrschen, dennoch nicht öffentlich blamiert werden, gibt es in Verlagen Lektoren und Korrektoren. Der Brandstätter-Verlag scheint diese Posten eingespart oder unbedarften Kräften überlassen zu haben. Die Blamage trifft also zu gleichen Teilen Autor und Verlag.

Neben den sprachlichen Überraschungen Neuhardts in dessen Darstellung der Geschichte Salzburgs von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert bietet der Band zum Glück noch eine zweite Hälfte, die sprachlich in Ordnung ist. Darin befasst sich Wolfgang Straub mit der Zeit von der Gründung der Festspiele bis heute, wobei die kulturellen Belange den Schwerpunkt bilden.

Die eigentliche Stärke dieses Buches sind aber die Abbildungen, die neben aktuellen Fotos historische Aufnahmen oder Reproduktionen von Kunstwerken umfassen. Diese Bilder machen den Band zu einem Genuss. Und – Hand aufs Herz: wer liest schon den Text eines Bildbandes?

Erfreulicher Weise reicht der Blick wirklich bis in die unmittelbare Gegenwart, bei der Beschreibung der unter der Ägide der „Salzburg Foundation“ im öffentlichen Raum aufgestellten Kunstwerke sogar bis 2013.

Tipps

Unter „Tipps“ listet der Band zum Schluss noch einige wichtige Institutionen und Lokale auf. Erstaunlicher Weise fehlt darunter das „Stefan-Zweig-Centre“, das es immerhin seit 2008 am Mönchsberg gibt und das mindestens so bedeutend ist wie die „Robert-Jungk-Bibliothek“, die sehr wohl aufgeführt ist. Aber mit Stefan Zweig hat Salzburg ja so seine Schwierigkeiten…

Heinz Dopsch: Kleine Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. 2., erw. u. aktual. Aufl. 2009. Verlag Anton Pustet, Salzburg. 295 Seiten, viele Abbildungen.

Johannes Neuhardt / Wolfgang Straub: Salzburg. Christian Brandstätter Verlag, Wien, 2013. 287 Seiten, 513 Abbildungen.

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Eva Stahl: Wolf Dietrich von Salzburg

Wolfgang Krisai: Festung Hohensalzburg. Hier im "Hohen Stock" war Wolf Dietrich von Raitenau inhaftiert.

Wolfgang Krisai: Festung Hohensalzburg. Hier im „Hohen Stock“ war Wolf Dietrich von Raitenau inhaftiert.

Als die heurige Salzburg-Projektwoche mit der 5A näher rückte, nahm ich mir die 466-Seiten-Biographie über Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1559 – 1617, Erzbischof von 1587 – 1611) von Eva Stahl vor. Ich schaffte es zwar nicht, damit noch vor der Projektwoche fertig zu werden, immerhin beflügelte mich diese so sehr, dass ich den Wälzer jetzt, kurz danach, ausgelesen habe. Und schon könnte ich wieder nach Salzburg fahren, um die Informationen, die ich aus dem Buch über Wolf Dietrichs Wirken erfahren habe, vor Ort „nachzuspüren“. So würde ich zum Beispiel das Mausoleum des Bischofs im Sebastiansfriedhof jetzt mit kundigeren Augen sehen.

Die Biographie stammt aus dem Jahr 1980, und ich kann nicht beurteilen, inwieweit sie überholt ist. Jedenfalls ist sie äußerst interessant und zudem angenehm zu lesen.

Sie stellt Wolf Dietrich als einen Renaissancemenschen dar, der oft ohne Rücksicht auf politische und personelle Gegebenheiten seinen Willen durchsetzt und sich damit mehr Feinde als Freunde schafft. Außerdem war er impulsiv und änderte seine Vorhaben oft abrupt, sodass er als politischer „Player“ nicht allzu verlässlich war.

Kurz vor 1610 erwuchs ihm in Bayerherzog Maximilian ein überlegener Gegner, der ihn zielstrebig ausschaltete und schließlich 1611 Salzburg einzunehmen drohte. Da ergriff Wolf Dietrich mit einem ganzen Tross von schwer beladenen Wagen, die den beweglichen Besitz des Bischofs und den Domschatz mit sich führten, die Flucht, wurde aber in Kärnten eingeholt und gefangen genommen. Den Rest seines Lebens verbrachte der Erzbischof, nachdem man ihm die Abdankung abgepresst hatte, unter entwürdigenden Bedingungen in Haft auf der Festung Hohensalzburg, wo er 1617 starb.

Sein Nachfolger von Maxmilians Gnaden, Marcus Sitticus von Hohenems – den Eva Stahl als inferioren Geist und kapitalen Verschwender darstellt -, überlebte Wolf Dietrich nur um zwei Jahre.

In sehr gutes Licht rückt die Autorin Salome Alt, die berühmte Lebensgefährtin des Erzbischofs, mit der dieser eine Art „Gewissensehe“ führte. Sie waren einander immer treu, Salome genoss allgemeine Anerkennung und niemand konnte ihr etwas Böses anhängen – mit Ausnahme der Grundtatsache, dass sie die „Konkubine“ eines eigentlich zum Zölibat verpflichteten Bischofs war.

Bisher war mir noch nicht klar, welch überragende Bedeutung das Salz für die geschichtlichen Vorgänge um Wolf Dietrich hatte, und zwar sowohl die Salzgewinnung wie auch der -handel. Salzburgs Reichtum hing davon in hohem Maße ab, und der Bayernherzog wurde vor allem deshalb zum unversöhnlichen Gegner des Bischofs, weil die beiden Länder einander das Salz aus Reichenhall streitig machten und überhaupt in Sachen Salz unvereinbare Wege gingen.

Für die Entwicklung Salzburgs bedeutete die Zeit Wolf Dietrichs einen gewaltigen Einschnitt. Er räumt sozusagen mit dem mittelalterlichen Städtchen auf und legte den Grundstein für das „Rom des Nordens“, als das Salzburg erschien, nachdem die großzügigen, von ihm initiierten Bauten vom Dom bis zu den Residenzgebäuden und Schlössern fertiggestellt waren.

Interessant, dass es derzeit offenbar kein Buch über den Bischof auf dem nicht-antiquarischen Buchmarkt gibt. Wahrscheinlich wird sich das bis 2017, dem 400. Todesjahr, ändern…

Eva Stahl: Wolf Dietrich von Salzburg. Weltmann auf dem Bischofsthron. Amalthea-Verlag, Graz, 3. Auflage 1987. 516 Seiten, einige Bildtafeln.

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Ursula Poznanski: Blinde Vögel. Thriller

Wolfgang Krisai: Festung Hohensalzburg von Südosten. Bleistift.

Wolfgang Krisai: Festung Hohensalzburg von Südosten. Bleistift.

Ein großer Thriller-Leser bin ich an sich nicht, aber wenn es um ein Werk einer ehemaligen Schülerin unseres Gymnasiums geht, das noch dazu enorm spannend ist, dann kann ich nicht anders, als mich hineinzustürzen: Ursula Poznanski: „Blinde Vögel“.

Das ist der zweite Thriller für Erwachsene und der zweite Band der – zu erwartenden – Serie mit dem Ermittlerduo Beatrice Kaspersky und Florin Wenninger aus Salzburg.

Im ersten Krimi spielte das Geocachen eine wesentliche Rolle, und diesmal ist es eine Facebook-Gruppe, in der die Fäden der Handlung zusammenlaufen. Nicht gerade eine krimi-typische, nämlich eine Lyrik-Fangruppe, in der die Beteiligten Gedichte von Rilke, August Stramm, Heine und anderen großen Dichtern posten und ausgiebig kommentieren.

Facebook-Gruppe

Diesmal bildet ein Doppelmord den Ausgangspunkt, der wie ein Mord und anschließender Selbstmord des Täters aussieht. Die beiden Toten waren in der Lyrik-Gruppe angemeldet, kannten sich aber sonst bis wenige Tage vor ihrem Tod nicht.

Einige Tage später gibt es den nächsten Toten, dann noch eine vermeintliche Selbstmörderin – und so nimmt der Roman immer mehr Fahrt auf, bis er wirklich enorm spannend wird.

Schließlich stellt sich heraus, dass die Morde etwas man dem Balkankrieg um 1990 zu tun haben, sodass der Roman auch noch eine zeitgeschichtliche Wende bekommt.

Mix aus Krimi, Literatur und Geschichte

Diese Mischung mag Poznanski herausgefordert haben: in einen „normalen Thriller“ eine Menge hohe Literatur einzubauen und dem ganzen noch einen ernsten geschichtlichen Touch zu verleihen.

Die verwendeten Gedichte, u. a. „Patrouille“ von August Stramm oder Rilkes berühmter „Panther“, sind von höchster Qualität, und wenn der Band dazu beiträgt, diese Dichter mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, dann soll mir das nur recht sein.

Wichtig und lehrreich ist auch die Rolle, die Facebook in diesem Roman spielt: Die Polizei verwendet es sofort, um an Informationen über die Personen im Umkreis der Toten zu kommen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Poznanski hier – bewusst oder nicht – stark untertreibt, wie schnell die Polizei Internet-Aktivitäten, Handy-Telefonate und SMS lückenlos mitprotokolliert und daraus Schlüsse zieht. Jedenfalls aber macht der Roman bewusst, dass man in sozialen Netzwerken nicht unbeobachtet bleibt und auch ausforschbar ist, wenn man anonym zu bleiben versucht.

Die Jugoslawien-Kriegsverbrecher-Thematik, die zwar von Anfang an angedeutet ist, aber erst gegen Schluss richtig durchbricht, wirkt fast ein wenig bemüht: Sie soll dem Buch moralisches Gewicht geben. Für mein Gefühl ächzt der Roman aber gewaltig unter dieser Last, denn die angesprochenen Untaten sind so haarsträubend, dass ihre „Verwendung“ in einem Thriller an ein Sakrileg grenzt. Andererseits steckt darin natürlich die aufklärerische Absicht des Buches.

Stil: Cannelloni statt Blunzngröstl

Stilistisch ist der Roman, wie auch schon der Vorgänger, solide geschrieben. Es gibt keine Peinlichkeiten, aber auch keine literarischen Experimente, keine Versuchung, die Salzburger Umgangssprache irgendwie einfließen zu lassen, andererseits auch keine lästigen Anbiederungen an die deutschen Leserinnen und Leser. Ich stelle mir vor, dass es eine Gratwanderung für die Autorin war, alle Wörter zu vermeiden, wo es zwischen Deutschland und Österreich auffallende Diskrepanzen gäbe. So sind zum Beispiel die Gaststätten, die vorkommen, keine österreichischen, sondern italienische oder typische In-Lokale, wo man Cannelloni isst statt Blunzngröstl.

Ein unbedingt lesenswerter Thriller.

Ursula Poznanski: Blinde Vögel. Thriller. Wunderlich-Verlag im Rowohlt-Verlag, Reinbek 2013. 476 Seiten.

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