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Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Wolfgang Krisai: Logo des Erlanger Poetenfests 2018 mit Wolfram-Denkmal aus Wolframseschenbach.

Thomas Klupp erlebte ich beim Erlanger Poetenfest im Sommer 2018, und dort kaufte ich auch seinen neuen Roman, den er dort vorstellte: „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“.

Kurz gesagt, ist der Roman eine Kreuzung aus „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf (was Modernität, Schülersprache und „Unmoral“ betrifft) und Heinrich Spoerls „Die Feuerzangenbowle“ (was die flotte Abfolge lustiger Schülerstreiche betrifft).

Der Ich-Erzähler und Held des Romans ist Benedikt Jäger, 15 Jahre alt und Gymnasiast am Kepler-Gymnasium in Weiden in der Oberpfalz nördlich von Regensburg. Seine Freunde nennen ihn „Dschägga“.

Er ist ein Tennis-As und spielt in der schulischen Tennismannschaft, die im Vorjahr eine Tennis-Meisterschaft gewonnen hat und nun, Anfang September und Anfang des Romans, dafür als Belohnung eine Ballonfahrt über Weiden hinweg machen darf. Tolles Erlebnis für alle beteiligten Burschen.

Sargnagel

In der Schule läuft aber nicht alles toll. Sie bekommen einen extrem strengen Mathe- und Physik-Lehrer namens Scharnagl, genannt Sargnagel, der ihnen schwer zu schaffen macht, obwohl er selbst an Krebs leidet und es nicht mehr lange machen wird.

Um seine Eltern nicht zu enttäuschen und deren Gunst nicht zu verlieren, hat Jäger sich ein gefinkeltes System der Fälschung schulischer Leistungen ausgedacht. Er hat die schulischen E-Mails auf einen eigenen Account umgeleitet, von wo aus er nur die unverfänglichen an seine Eltern weiterleitet. Noten von Schularbeiten und Tests, aber auch zu unterschreibende Hausübungen und ganze Zeugnisse fälscht er, wobei er auch zum souveränen Unterschriften-Fälscher geworden ist. Niemand kommt ihm je drauf.

Schummeln ist natürlich an der Tagesordnung, wobei Jäger Glück hat, da er neben der zwar unattraktiven, weil fetten, aber sehr gescheiten Margarete sitzt, die ihn einmal sogar aus einer hoffnungslosen Mathe-Situation rettet, wodurch Jäger erkennt, dass Margarete ihn offenbar liebt. Mehr wird daraus aber nicht.

Küsst super

Jäger ist noch „Jungfrau“, was ihn gewaltig stört. Das ändert sich während des Romans auch nicht, obwohl er eine Art „Freundin“ hat, nämlich ein flottes Mädchen namens Marietta, älter als er, die ihn engagiert hat, um vor ihren Freundinnen nicht ohne Freund dazustehen. Sie küsst super – aber darüber hinaus tut sich zwischen den beiden nichts, und die ganze Geschichte ist auch von seiten Mariettas auf wenige Wochen befristet. 

Auch die Mutter, Monika, spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Sie stammt von einem Bauerndorf, hat sich aber – dank ihres Geld scheffelnden Ehemanns, der ein unermüdlich operierender Chirurg am Weidener Krankenhaus ist – in der Hierarchie des Ortes hinaufgearbeitet, wobei Sohn Benedikt ihr eifrig beim Flunkern und Angeben helfen musste. Was er, als notorisch begabter Fälscher und Lügner, gerne macht, zumal er jedesmal Geld von der Mutter zugesteckt bekommt.

Flüchtlinge verschwinden aus dem Roman

Die Mutter ist eine wichtige Figur beim örtlichen Lions-Club und veranstaltet Charity-Partys für von Lions betreute Flüchtlinge. Diese spielen zwar anfangs eine Rolle, verschwinden aber dann weitgehend aus dem Roman.

Dass Jäger auch in dubiosen Lokalen rumhängt und kifft, ist selbstverständlich. Die Eltern ahnen nichts davon.

Der Roman besteht eigentlich aus einer Aneinanderreihung von Episoden, wo Jäger in Schwierigkeiten gerät und sich immer wieder mit knapper Not retten kann. Ich kann hier nicht alle aufzählen.

Originell ist z. B., wie Jäger nach einem gewonnenen Tennismatch in Grafenwöhr seinen Freund Vince vor einer Verprügelung durch einen Hühnen der gegnerischen Mannschaft rettet, woraufhin die beiden quer-garten-ein durch den Ort flüchten.

Physiktest „umschreiben“

Um sich eine bessere Note bei einem wichtigen Physik-Test zu erschummeln, bekniet Jäger seinen Tennis-Kollegen Jiri, für ihn – gegen Geld (im Endeffekt muss Jäger Jiri ein neues iPhone X kaufen und dafür das Geld erst auf abenteuerliche Weise auftreiben) – den Test zu machen: Jäger fotografiert den Angabezettel, schickt ihn Jiri, der am WC ist und schnell die Lösung auf ein Blatt schreibt und am WC deponiert, dann soll Jäger aufs WC gehen und die Lösung abholen. Doch Prof. Sargnagel vereitelt das, indem er Jäger aufs Lehrer-WC schickt. Wenn dieser Test schiefgeht, würde die Schule seine Mutter verständigen – durch einen persönlichen Anruf eines Lehrers – und dann würde diese die Wahrheit über die schlechten Leistungen ihres Sohnes erfahren. Also muss Jäger sich eine Lösung einfallen lassen. Diese ist dann Höhepunkt und Schluss des Romans: ein Einbruch bei Professor Sargnagel, wo Jäger und zwei Freunde die am Vormittag geschriebenen Physiktests „umschreiben“, von Sargnagel erwischt werden, aber gerade noch unerkannt flüchten können. Auch diesmal werden sie nicht ausgeforscht.

Gutes?

Wie Jäger „fälschte und log“, das ist nun klar. Aber wo „tat er Gutes“? Das fällt vergleichsweise dünn aus. Denn er ist ein guter Kumpel, hält zu seiner Tennismannschaft, er hilft seiner Mutter beim Aufbau eines gefakten Images, ebenso Marietta, aber richtig gute Taten sind da nicht dabei. 

Trotzdem, ein unterhaltsamer Roman, der auch wegen seiner flotten „Jugendsprache“ gut zu lesen ist. Natürlich ist es eine künstliche Jugendsprache (wie Thomas Klupp beim Gespräch in Erlangen auch zugab), aber sie funktioniert.

Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat. Roman. Berlin-Verlag, München/Berlin 2018. 253 Seiten.

Bild Wolfgang Krisai: Logo des Erlanger Poetenfests 2018 mit Wolfram-Denkmal aus Wolframs-Eschenbach. – Anlässlich des Besuchs in Erlangen besichtigten wir auch das nahe Wolframs-Eschenbach, daher das Denkmal in diesem Bild.

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