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Bücher über die Kunstkammer des KHM

Wolfgang Krisai: Skizze von: Wenzel Jamnitzer: Schreizeug-Kästchen. Nürnberg, um 1560/70. KHM, Kunstkammer.

Wolfgang Krisai: Skizze von: Wenzel Jamnitzer: Schreizeug-Kästchen. Nürnberg, um 1560/70. KHM, Kunstkammer.

(English summary: see below)

Gestern besuchte ich erstmals die jüngst wieder zugängliche „Kunstkammer“ des Kunsthistorischen Museums in Wien. Man muss, damit kein unangenhmes Gedränge drin entsteht, eine Ticket für ein sogenanntes „Zeitfenster“ lösen, innerhalb dessen man eintreten darf. Zum Glück darf man dann aber beliebig lange drin verweilen. Allein für einen groben Überblick braucht man schon mehr als eine Stunde, und wenn man dann, wie ich, noch ein paar Objekte genauer in Augenschein nimmt oder sie gar zeichnet, sind zwei Stunden im Flug vergangen, und man hat noch nicht einmal ein Hundertstel der Ausstellungsstücke genau angesehen. 2000 sind nämlich zu sehen.

Erfreulicher Weise gibt es auch zwei neue Führer durch die Kunstkammer, einen aus der inzwischen auf ein Dutzend angeschwollenen „Meisterwerke“-Reihe („Meisterwerke der Kunstkammer“. Kurzführer durch das Kunsthistorische Museum, herausgegeben von Sabine Haag, Band 12, Wien 2010, 238 Seiten) und einen für Kinder mit dem Titel Pfeffer im Dach, den ich für die Schulbibliothek gekauft und jetzt gleich einmal gelesen habe.

Er ist das zweite Buch, das Schätze des KHM dezidiert für Kinder erschließt, das erste ist der Band „Meisterwerke für junge Besucher“ aus der Meisterwerke-Reihe.

„Pfeffer im Dach“ – das ist übrigens eine Information, wo in der berühmten Saliera von Benvenuto Cellini der Pfeffer unterzubringen wäre – wendet sich an ca. 8-12jährige Kinder in einer leicht verständlichen Sprache, mit einigen Rätseln (und deren Auflösungen), vielen Abbildungen und einer modernen, kindgerechten Buchgestaltung. Der Band ist sehr solide gemacht (Fadenheftung, fester Einband) und hat etwa das Format A4. Zum Mitnehmen ins Museum ist er also nicht gedacht. Aber zum Schenken und Geschenktbekommen, und dann zum häuslichen Lesen für Kinder und Erwachsene. Auch ich habe daraus einiges gelernt und mich bei der Lektüre gut unterhalten.

Als Beispiel will ich die Beschreibung des allerliebsten, feinziselierten silbernen Schreibzeugs, das ich gestern gezeichnet habe, zitieren:

Rechts siehst du ein Kästchen, das ganz aus Silber gemacht ist. Aber was ist denn das? Sitzen da etwa Tiere auf dem Deckel? Eine kleine silberne Maus ist dort zu sehen, die ihren Schwanz um die Ohren legt, zwei Eidechsenkinder strecken neugierige ihre Köpfe in die Luft, eine Kröte reißt ihr Maul auf, als würde sie laut quaken. Schau genau hin – welche Tiere kannst du noch erkennen? Auch an den Seiten des Kästchens wimmelt es von kleinen Silbertierchen, die zwischen Plfanzengirlanden herumklettern. Wie können all diese Tiere aus Silber gemacht sein, aber derart lebensecht aussehen?

Der Goldschmied hieß Wenzel Jamnitzer. Er schuf das Kästchen für Erzherzog Ferdinant II. Der bewahrte im Inneren dieses Kästchens sein Schreibzeug auf. Seine Schreibfedern waren aber nicht etwa aus Plastik oder Holz, wie unsere Stifte heute, sondern ebenfalls aus Silber – wie es sich für einen vornehmen Landesfürsten gehört.

Wie macht man das?

Für einen Naturabguss wie auf dem Kästchen wandte der Künstler folgende Technik an: Er sammelte echte kleine Tiere, die gestorben waren. Diese umhüllte er mit Ton. Den brannte er dann wie beim Töpfern, damit er hart wird. Dabei verbrennt das kleine Tier vollständig, zurück bleibt aber sein Abdruck im Inneren der Tonhülle. Durch einen kleinen Kanal, den der Goldschmied vorher im Ton angelegt hat, kann er die Asche ausblasen. Jetzt erhitzt er Silber, damit es flüssig wird, und gießt es in die hohle Tonform ein. Dann lässt er das Silber erkalten, damit es fest wird, und schlägt den Tonmantel ab – und erhält das abgegossene Silbertier, mit dem er das Kästchen oder andere Gefäße verzieren kann.

(Seite 80f.)

Pfeffer im Dach und worüber der Kaiser noch staunte. Die Kunstkammer für junge Besucher. Hg. v. Sabine Haag. Mit Texten von Barbara Herbst, Rotraut Krall, Konrad Schlegel, Agnes Stillfried, Daniel Uchtmann, Andreas Zimmermann. Redaktion: Agnes Stillfried. Illustriert von Michaela Noll. Brandstätter, Wien 2013. 111 Seiten.

English summary:

Yesterday I visited the „Kunstkammer“ of the Kunsthistorisches Museum Vienna. One has to fetch a ticket for a „time-window“ to be let in, but one can stay in there as long as one likes. I stayed für mor than two hours, got an overview and drew some of the 2000 exhibits.

Two new guides for the Kunstkammer were edited: One of the series „Masterpieces“ (available in English or German) and a book for children from 8 to 12 years with the title „Pfeffer im Dach“ (pepper in the roof – alluding to the place where the pepper is stored in the well known „Saliera“ by Benvenuto Cellini). In a language well adapted for children the guide contains information about many aspects of the collection. As it is a large book it seem not to be meant for taking it into the museum but as a gift and it will be interesting for the children, but for adults as well.

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Krause, Ute: Osman. Der Dschinn in der Klemme.

Auf der Suche nach passender Klassenlektüre für meine zukünftige 1. Klasse entdeckte ich dieses schön gemachte, richtig gebundene Buch bei Thalia, kaufte es – und las es gleich.

Nette Geschichte, die sich um die Türkenbelagerung von Wien rankt.

Sie beginnt allerdings in der Gegenwart in Wien, wo Anton, ein etwa 10jähriger Bub, in einem Laden eine verstaubte, blau-goldene Flasche entdeckt, mitgehen lässt und zu Hause öffnet: Ein Dschinn – ein Flaschengeist – entfährt der Flasche und macht es sich in der Badewanne bequem. Der Dschinn ist ein Orientale, dick, gemütlich, der Anton ganz selbstverständlich als seinen Herrn anerkennt.

Irrtümlich glauben nun Anton und seine Familie (Schwester „Knödel“ und die Eltern), sie könnten sich nun wünschen, so viel sie wollten – à la Aladin und die Wunderlampe. Also wünschen sie sich gleich einmal einen Palast anstelle der jämmerlichen alten Hütte, in der sie wohnen. Rumms, der Palast ist da – aber auf dem technischen Niveau der Zeit von 1683. Kein Strom, kein Internet, kein Herd…

Also wünschen sie sich als nächstes Strom und Telefonanschlüsse. Anton vermasselt allerdings den Wunsch und bekommt lauter Telefonanschlüsse und Steckdosen – ohne Strom. Osman kennt ja keinen Strom.

Osman hat allerdings ein Problem: Er hat seinem letzten Herrn – 1683 – einen schlechten Dienst erwiesen und dieser ist gestorben. So eine Schmach will er nicht auf sich sitzen lassen. Anton wünscht sich also, er solle die Sache bei der Türkenbelagerung in Ordnung bringen. Im Augenblick der Äußerung des Wunsches rangeln Anton und Knödel gerade um die Flasche und werden somit ebenfalls in die Zeit von 1683 versetzt.

Nun beginnt eine halbwegs spannende Abenteuerhandlung. Anton wird Diener eines Beraters des Großwesirs namens Mehmed Ali, jenes Mannes, dem die Dummheit des Dschinn das Leben kostete. Knödel kommst schnurstracks in den Harem des Großwesirs als Sklavin der obersten Haremsdame Jasmina. Von dieser lernt sie ein paar Brocken Türkisch, während Knödel die Haremsdamen im Walzertanzen unterweist. Beides wird im Lauf der Handlung noch sehr nützlich.

Anton soll nun gut machen, was beim ersten Versuch des Dschinn schiefgegangen ist. Nicht Mehmet Ali soll persönlich eine Geheimbotschaft an den Sultan übermitteln, sondern Anton soll sie dem Boten überbringen. Das geht aber schief, und Anton wird von österreichischen Soldaten verhaftet und nach Wien ins Gefängnis gebracht.

Knödel erfährt von dem Unglück, lässt Mehmed eine neue Botschaft schreiben und bringt sie glücklich zum Boten.

Inzwischen hat Anton in dem Wiener Buben Friedrich einen guten Freund gefunden (vorher hatte Anton Friedrich aus der Sklaverei freigekauft). Dummerweise kann der Dschinn einem neuen Herrn nur drei Wünsche erfüllen. Anton hat sein Kontingent also schon verbraucht. Durch Zufall wird aber Friedrich zum Herrn des Dschinn, wünscht sich, dass alle wieder ins Wien der Gegenwart zurückkehren, und rumms, es geschieht. Die Eltern wundern sich kaum, dass Anton und Knödel eine Nacht (die für sie mehrere Wochen gedauert hat) verschwunden waren.

Und in dem Laden, wo Anton die Flasche geklaut hatte, entdecken sie einen uralten Mann namens Friedrich, der sich als der Friedrich aus der Türkenbelagerung erweist…

Stil: für zehnjährige fassbar, einfacher, aber nicht aufdringlich simpler Satzbau, wenige komplizierte Begriffe, viele Dialoge.

Insgesamt ist das Buch gut für eine erste Klasse geeignet.

Es gibt bereits eine TB-Ausgabe davon, außerdem zwei Folgebände mit weiteren Abenteuern von Anton und dem Dschinn.

Krause, Ute: Osman. Der Dschinn in der Klemme.

Kinderbuch.

Illustriert von der Autorin.

Oetinger-Verlag, Hamburg 2009.

190 Seiten.

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